Liz Nugent

Kleine Grausamkeiten

Cover: Kleine Grausamkeiten
Steidl Verlag, Göttingen 2021
ISBN 9783958299740
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Drei Brüder bei einer Beerdigung, einer von ihnen liegt im Sarg, betrauert von seinen Geschwistern. Aber welcher? Und warum? Nur jeweils ein Jahr sind die Drumm-Brüder William, Brian und Luke auseinander und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. William hat als Filmproduzent Karriere gemacht und glaubt, ihm stehe einfach alles zu, Brian, der mittlere Bruder, Lehrer und Künstleragent betätigt sich als wenig selbstloser Friedensstifter, Luke, psychisch instabiles Nesthäkchen, ist ein international gefeierter, sehr einsamer Popstar. Aber keiner von ihnen ist der, der er zu sein scheint. Vom Tag ihrer Geburt an hat ihre narzisstische, ziemlich abgefeimte Mutter die Brüder darauf abgerichtet, um ihre Aufmerksamkeit zu buhlen. Sie spielen Spielchen, doch im Laufe der Jahre werden diese Spiele - die kleinen Grausamkeiten - immer unheimlicher, gnadenloser und gefährlicher. Toxisch geradezu, denn nur zwei der Brüder werden überleben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.01.2022

Ein Kriminalroman? Rezensent Thomas Wörtche hat so seine Zweifel, was die Genrebezeichnung für Liz Nugents Geschichte einer dysfunktionalen Familie angeht. Der Todesfall im Text interessiert Wörtche auch nicht so brennend. Viel lieber vertieft er sich in die psychischen Defekte, die eine lieblose Mutter bei ihren drei Söhnen hinterlässt und die zu einer heillosen Verstrickung der drei in soziale Gewalt, Gier, Schuld und wieder Gewalt führen. Brillant erzählt und horrormäßig komisch, auch ohne einen zwingend sich entwickelnden Plot, findet Wörtche.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.12.2021

Rezensent Tobias Gohlis folgt gebannt dem vierten Kriminalroman "Kleine Grausamkeiten" von Liz Nugent. Die 1967 in Dublin geborene Autorin erzählt darin ganz genreuntypsich von den drei Drumm-Brüdern, von denen sich einer im Verlauf des Buches als Mordopfer und einer als Täter herausstellt. Außerdem blicke sie auf deren toxisches Familienverhältnis, geprägt von einer narzisstischen Mutter und einem ausgleichenden Vater, resümiert Gohlis. Die Erzählform ist nicht chronologisch, die Perspektiven wechseln stets von einem Bruder zum nächsten, von Kinder- in Erwachsenensicht und in der Zeit umherspringend, erklärt der Kritiker. Ein spannender Roman, findet der Rezensent, der die Vergleiche einiger englischer und irischer Kritiker mit Ruth Rendell und Patricia Highsmith durchaus nachvollziehen kann.