Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs. Asa Larsson erzählt von der archaischen Macht der Gefühle, die in rohe Gewalt umschlagen können. Die Aufklärung der Morde wird zum sensiblen Psychogramm verletzter Seelen und zur Liebeserklärung an eine unbeugsame Natur. Es ist Mittsommernacht in Jukkasjärvi, einem kleinen Ort nahe Kiruna, zweihundert Kilometer nördlich des Polarkreises, als die Pastorin Mildred Nilsson gefunden wird, aufgehängt unter der Orgel ihrer Kirche. Sofort sind die Bilder des im Polarwinter ermordeten Predigers Viktor Strandgard wieder da. Und für die Anwältin Rebecka Martinsson werden Erinnerungen wach an die schlimmsten Stunden ihres Lebens: Bei den Ermittlungen zum Fall Strandgard hatte sie in Notwehr drei Menschen erschossen. Erst jetzt kommt der Zusammenbruch. Ihr Chef will sie vor dem endgültigen Absturz bewahren und schickt sie mit einem Kollegen nach Kiruna. Sie begegnet Pastor Stefan Wickström, Mildreds Nachfolger, entdeckt einen Safe mit Drohbriefen an die ermordete Pastorin und wird mit dem Hass konfrontiert, der Mildred wegen ihres Engagements für Frauen in Notlagen entgegenschlug. Kommissarin Anna-Maria Mella, die Rebecka bereits kennt, hat ihren Erziehungsurlaub abgebrochen und sieht sich einem gefährlichen Gemisch aus enttäuschter Liebe und hilflosem Hass gegenüber. Dann verschwindet plötzlich Pastor Wickström, und die Situation eskaliert...
Mit roten Backen und viel Begeisterung hat Rezensentin Katharina Granzin den zweiten Asa-Larsson-Krimi beiseite gelegt, der nicht nur ihren Ansprüchen an fesselnd erzählte Kriminalgeschichten, sondern auch an die Literatur als Kunstform in höchstem Maße gerecht geworden ist. Oberflächlich werde der brutale Mord an einer Pastorin verhandelt, in den Steueranwältin und Protagonistin Rebecka Martinsson hineingezogen werde, die sich eigentlich im Urlaub befindet, um sich vom letzten grauenhaften Fall zu erholen. Die Mordmotive sind den Informationen Granzins zufolge ebenso zahllos wie jeweils zwingend, was die Lektüre insgesamt zu einer fesselnden, hochspannenden Angelegenheit für sie macht. Zum Ereignis wird das Buch jedoch für sie durch die Virtuosität, mit der Larsson "die Kunst der Andeutung" beherrscht, wie sie ihre Figuren knapp und präzise skizziert, und man dahinter doch stets "unauslotbare Tiefen" erahnen kann; wie sie langsam das Beziehungsgeflecht am Ort des Geschehens enthüllt, und sich plötzlich für die Rezensentin hinter dem Erzählten "Raum für Imagination" eröffnet.
Der neue Krimi von Asa Larsson, angesiedelt im freikirchlichen Milieu, hat es Tobias Gohlis angetan. Er bescheinigt den Schweden ein Krimi-Gen und lokalisiert es in der großen und leeren Stadt Schwedens, Kiruna, nördlich des Polarkreises. Dort ermittelt das bewährte weibliche Duo Rebecka Martinsson und Anna Maria Mella einen brutalen Mord, der sich in einer Kirche zugetragen hat. Die Autorin verfüge über eine profunde Kenntnis des Nordens und der Sektenwelt, ihre Charaktere zeichne sie präzise, einfühlsam und "ohne Häme", lobt Gohlis. Für ihn wird die Auflösung des Falls zum Schluss fast zur Nebensache, weil er damit beschäftigt ist, die fesselnd beschriebene enge Welt des Nordens zu imaginieren.
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