Gideon Botsch

Politische Wissenschaft im zweiten Weltkrieg

Die Deutschen Auslandswissenschaften im Einsatz 1940-1945
Cover: Politische Wissenschaft im zweiten Weltkrieg
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2007
ISBN 9783506713582
Gebunden, 362 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

An den "Deutschen Auslandswissenschaften" zeigt sich beispielhaft, was unter "politischer Wissenschaft" im NS-Sinne zu verstehen ist. Diese 1940 begründete politikwissenschaftliche Disziplin war an der Praxis nationalsozialistischer Rassenpolitik ausgerichtet und fühlte sich zum "Einsatz" berufen - bis hin zum Massenmord. Der Autor analysiert Entstehung und Aufbau des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts und der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Universität Berlin und das wissenschaftliche Selbstverständnis der neuen Disziplin. Organisation und Inhalt ihrer Forschung und Lehre wurden von den Zielen des "Rassenimperialismus" bestimmt. Das DAWI wurde zum Instrument auswärtiger Kulturpolitik, sein "Europa-Seminar" sollte die politische Führung mit wissenschaftlicher Expertise versorgen. Auslandswissenschaftler übernahmen Funktionen in Staat, Partei, Wehrmacht und Besatzungsverwaltungen. Das Beispiel des SD macht deutlich, dass der "Einsatz" von Wissenschaftlern bis zur Beteiligung an Verbrechen der Einsatzgruppen führen konnte. "Politische Wissenschaft" erweist sich als zentrale Kategorie für die Erforschung nationalsozialistischer Wissenschaftspraxis und für die Analyse von Selbstverständnis und Interaktion nationalsozialistischer Funktionseliten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2007

Erhellend findet Martin Kröger diese Arbeit über die "Auslandswissenschaften" in der Zeit des Nationalsozialismus, die Gideon Botsch vorgelegt hat. Er bescheinigt dem Autor eine detaillierte Darstellung des Forschungszweiges, der zur nationalsozialistischen Leitwissenschaft mit eigenem Institut avancierte. Gründlich informiert fühlt er sich über Verfassung und Aufbau der Auslandswissenschaftlichen Fakultät, die Entwicklung des Studiums, Prüfungsanforderungen, Arbeitsbedingungen, Forschungsschwerpunkte und Lehrpersonal. Dabei unterstreicht er den praktischen Akzent der Auslandswissenschaften, die Verbindung von Lehre, Forschung und konkretem Handeln, das von Praktika bis zu geheimdienstlichen Operationen für den SD reichte und Institutsangehörige sowie Studenten vielfach zu Mittätern bei den nationalsozialistischen Verbrechen machte.
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