Der Rechtsextremismus begleitet die Geschichte der Bundesrepublik seit ihren Anfängen. Dazu gehören u.a. Parteien, im Hintergrund arbeitende Kulturorganisationen, Jugendbünde, aber auch militante und terroristische Gruppierungen. Die Existenz vielfältiger Organisationen und Zusammenschlüsse, ihre inhaltliche Ausrichtung und die Vernetzung untereinander waren und sind in hohem Maß auch durch das Engagement einzelner Akteure und Akteurinnen geprägt. Der Band versammelt biografische Studien zu 24 einschlägigen Protagonistinnen und Protagonisten des bundesdeutschen Rechtsextremismus. Der akteurszentrierte Ansatz vertieft die geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisse über diese "besondere politische Kultur" (Peter Dudek/Hans-Gerd Jaschke) in Deutschland. Die vorgestellten Lebensläufe stehen exemplarisch für unterschiedliche Alterskohorten, Sozialisationsverläufe und politische Ausrichtungen im rechtsextremen Milieu. Gleichzeitig führen sie eindrücklich vor Augen, in welcher Weise politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die "Erfolgsfähigkeit" der hier vorgestellten Akteurinnen und Akteure mitbestimmten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2024
24 "kompakte" Kapitel über zentrale Akteure der rechtsextremistischen Szene nach dem Krieg haben die Autoren in ihrem Band versammelt, in dem Rezensent Harald Bergsdorf ein wichtiges Instrument zur "Aufhellung" dieses immer noch nicht ausreichend erforschten Feldes sieht. Die Porträts von wichtigen Figuren wie den NPD-Mitbegründer Adolf von Thadden oder den Neonazi Jürgen Rieger wollen vor allem die "ideologische Sozialisation" nachvollziehen und nehmen daher das persönliche Umfeld der Personen genauer unter die Lupe, um typische Verhaltensmuster und Einflüsse aufzudecken, erklärt Bergsdorf. In ihre Beobachtungen fließen auch persönliche Dokumente wie Tagebucheinträge oder Verhörprotokolle ein, so Bergsdorf, gestützt werden die Beobachtungen durch eine breites Spektrum an Sekundärliteratur. Etwas verwundert ist der Rezensent, dass sehr einflussreiche Akteure wie wie Otto Ernst Remer oder Gerhard Frey ausgelassen wurden, er sieht hier aber dennoch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Rechtsextremismus.
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