Die NPD ist in den vergangenen Jahren zu einer Bedrohung der Demokratie geworden - aber nicht, weil sie bald in den Bundestag oder gar irgendwann ins Kanzleramt einziehen könnte. Sondern weil sie - von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - an einer Faschisierung der ostdeutschen Provinz arbeitet. Dort ist sie inzwischen fest verankert ("national befreite Zonen"), hat einen stabilen Wählerstamm, sickert in die Gesellschaft. Wer dort nicht dem völkischen Weltbild entspricht, muss im Alltag entweder sehr tapfer sein - oder er geht. Die NPD ist die älteste rechtsextremistische Partei Deutschlands, aber sie ist auch die modernste. Mit der konservativen Partei der sechziger Jahre hat die neue NPD nichts mehr zu tun. Mit kalkulierten Eklats wie im Sächsischen Landtag ("Bomben-Holocaust") trägt sie Positionen in die Öffentlichkeit, die noch vor kurzem tabu waren. Anders, als man es von rechtsextremen Parteien gewohnt ist, nutzen ihre Abgeordneten clever die parlamentarische Bühne. Die NPD hat heute ein revolutionär-antikapitalistisches Programm, sie setzt auf aktuelle Themen, sie schwimmt mitten in der rechtsextremen Jugendkultur. Ignorieren hilft nicht mehr.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2005
Christina Maria Berr attestiert Toralf Staud, der sich in seinem jüngsten Buch mit der NPD und der Neonazi- Szene beschäftigt, hohe Sachkenntnis, denn er hat "jahrelang" die Entwicklung der rechtsextremen Strömungen in Deutschland verfolgt, wie die Rezensentin mitteilt. Sie lobt das Buch als "kenntnisreiche, detailgenaue" Darstellung auch der Geschichte der NPD und zitiert Vorschläge Stauds, wie mit den "modernen Nazis" umzugehen sei, mit Zustimmung. Wie der Autor ausführt, findet die Berichterstattung über rechtsextreme Parteien und Bewegungen "entweder hysterisch" oder gar nicht statt und er macht aus seiner Überzeugung, dass die "Nazi-Ideologie" mit Vehemenz "widerlegt und bekämpft" werden muss, keinen Hehl, wie die Rezensentin betont.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.08.2005
Aufschlussreich findet Rezensent Pitt von Bebenburg dieses Buch Toralf Stauds über "Moderne Nazis". Der "Zeit"-Autor nehme die NPD ernst, berichtet Bebenburg, er warne davor, die Partei zu unterschätzen, und schreibe zumindest einigen ihrer Funktionäre bei aller ideologischen Verbohrtheit große Cleverness zu. Etwa Parteichef Udo Voigt, mit dem er sich im beim Italiener am Berliner Müggelsee traf. Das größte Problem sehe Staud allerdings nicht in der NPD. Als viel gefährlicher schätze er die Entstehung einer "rechten Erlebniswelt" ein, mit der die NPD zwar zu tun habe, die aber auch jenseits der Partei gedeihe. Zunehmend werde die enge rechte Subkultur zum populären, unübersichtlichen Mainstream-Phänomen. Eine Entwicklung, die die NPD mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt, da sie zwar dadurch einerseits ihre Chancen wachsen sieht, ihr andererseits aber auch die Kontrolle darüber entgleitet, wer dazugehört und wofür er steht.
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