Gianluigi Nuzzi

Die Vatikan AG

Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche
Cover: Die Vatikan AG
Ecowin Verlag, Salzburg 2010
ISBN 9783902404893
Gebunden, 360 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann, Petra Kaiser und Rita Seuß. Viertausend geheime Dokumente des Heiligen Stuhls Briefe, vertrauliche Mitteilungen, Aktennotizen, Protokolle, Kontoauszüge und Buchungsbelege gewähren einen Blick hinter die Kulissen des vatikanischen Finanzsystems. Die Dokumente stammen aus dem Nachlass Monsignor Renato Dardozzis (1922 2003), bis Ende der neunziger Jahre einer der wichtigsten Mitarbeiter des IOR (Institut für die Werke der Religion ), wie die Vatikanbank offiziell heißt. Ende der achtziger Jahre schien mit dem Crash der Ambrosiano-Bank, der rätselhaften Ermordung Roberto Calvis und Michele Sindonas und dem Rückzug von Erzbischof Marcinkus aus der Leitung des IOR der Schlussstrich unter ein unrühmliches Kapitel der Vatikanbank gezogen. Aber dann so beweisen die Dokumente aus Dardozzis Archiv begann alles wieder von vorn. Seit 1992 entstand ein neues, noch raffinierteres System mit Nummernkonten, über die Hunderte Milliarden Lire verschoben wurden. Architekt dieses Netzwerks war Prälat Donato de Bonis, der neue Chef der Vatikanbank. Er legte Konten auf den Namen von Bankiers, Unternehmern und Spitzenpolitikern an, unter ihnen Omissis , der Codename Giulio Andreottis.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.05.2010

Meisterhaft eingeführt in die dunklen Machenschaften der Vatikan AG sieht sich Henning Klüver durch Gianluigi Nuzzi, einen Experten für Polit- und Finanzskandale, wie Klüver versichert. Klüver erzählt die abenteuerliche Geschichte der dem Buch zugrunde liegenden Quellen, Belege, Briefe, Geheimbilanzen, die Nuzzi von einem wichtigen Kirchenfunktionär zugespielt wurden. Schockiert zeigt sich Klüver von der hier offengelegten Unverfrorenheit der Verantwortlichen der Vatikanbank, krumme Geschäfte, Geldwäsche, Mafiakontakte u.a.m. Umso mehr beeindruckt ihn die Rechercheleistung des Autors, der die Mauer des Schweigens durchbricht, ohne jedoch explizit gegen die Kirche anzuschreiben. Nicht nötig übrigens. Die Fakten, dem Rezensenten erschlossen mittels eines hilfreichen Glossars, dessen Verlässlichkeit allerdings nicht immer die beste ist, wie er schreibt, scheinen für sich zu sprechen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.04.2010

In Gianluigi Nuzzis "Vatikan AG" geht es nicht um aktuelle Machenschaften der Mini-Monarchie im Herzen Italiens, baut Rezensent falschen Erwartungen vor, sondern um die Geschäfte der berüchtigten Vatikanbank, des Istituto per le Opere di Religione (IOR), aus den achtziger und neunziger Jahren. Und auch wenn diese Skandale nicht ganz neu sind, har das Buch es ins sich. Braun attestiert ihm großen zeithistorischen Wert. Denn zwei Dinge wurden ihm durch die hier präsentierten Dokumente deutlich: Weitaus länger als bisher bekannt hat die Vatikan-Bank ihre dunklen Geschäfte betrieben, der nach der Ermordung der Mafia Bankiers Michele Sindona und Roberto Calvi eingesetzte Angelo Caloia genoss zwar den Ruf der Seriösität, hatte aber offenbar keinen Schimmer von dem, was tatsächlich in seiner Bank geschah. Dort nämlich hatte Monsignore Donato De Bonis eine Bank in der Bank aufgezogen (Giulio Andreotti war zeichnungsberechtigt!). Und als zweites lernt Braun aus dem Buch, dass der Vatikan auch bei Schmiergeldaffären und Korruptionsskandalen gern die Strategie des "Leugnens, des hartnäckigen Abstreitens und Unter-den-Teppich-Kehrens" betreibt.
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