Mit CD. Mit CD. "Ungesuchte Funde nennt man oft die glücklichsten", schreibt Barbara Köhler zu Beginn ihres neuen Buchs "Neufundland" und macht sich mit ihren Texten auf, um "zu finden, was man nicht schon weiß. Herausfinden, was das Unmögliche ist." Ihre Texte sind Reisen, ausgehend von realen Orten wie Neufundland?/?Nova Scotia, London oder Duisburg, von Örtlichkeiten und deren Wörtlichkeiten, Namen und Geschichte - Reisen in einen Sprachraum ("ins Deutsch-Land"), oder sie queren die Räume anderer Texte, erkunden deren U-topografie: Gregor Samsas Zimmer etwa und die Reise aller Reisen, Homers Odyssee. Es sind unterschiedliche Genres, die in diesem Buch versammelt sind: neben Reiseberichten auch Essays, Reden und Betrachtungen. Immer aber geht es um Poesie, jene "Kunst der kürzesten Wege und größten Distanzen von Wort zu Wort", und um die Möglichkeiten von Sprachen, Differenzen zur Sprache zu bringen. Übertragungen überbrücken die großen zeiträumlichen Unterschiede zwischen Sprachen. Barbara Köhler holt die Gedichte der Mechthild von Magdeburg in unsere Gegenwart, bringt Gertrude Stein und Elizabeth Bishop zum Klingen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2012
Rezensent Michael Braun sieht in diesen "vermischten Schriften" eine gelungene Fortführung der bisherigen (und von Braun kursorisch zusammengefassten) sprach-nautischen Erkundungsexpeditionen der Autorin, die, eigener Ausage nach, über "Vokabeln fabeln" und damit den Wörtern auf den Grund gehen will. In "Neufundland" genießt der Rezensent "eine fein geflochtene Textur" aus ganz unterschiedlichen Gattungen, die von Landerkundungen bis zu Sprachforschungen bei Dichterkolleginnen reichen. Köhler arbeite dabei an einer Verflüssigung von Sprache und Sprachrhythmus, beobachtet der Rezensent, dem das poetische Ergebnis spätestens dann auch in die Beine geht, wenn er die beiliegende CD in den Player legt und von "Sprache, die bewegt wird, bewegt" wird.
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