Gertrud Leutenegger

Pomona

Roman
Cover: Pomona
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518416037
Gebunden, 176 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

"Am Ende behält man wenig von einer Kindheit; einen Geruch, eine Lichtstimmung, eine Geste. Alles andere ist zum Stoff geworden, aus dem wir atmen, handeln, vergessen." Der jungen Frau, die das notiert, begegnet in nächtlichen Träumen ihre Mutter, wie sie da steht im Keller, sich umdreht und ihrer Tochter einen Apfel entgegenstreckt. Die Träume, die wieder und wieder an die inzwischen tote Mutter im duftenden Reich ihrer Äpfel erinnern, sind freilich die andere Seite dessen, was der jungen Frau tagsüber widerfährt: Mit ihrem Mann, dem exzentrischen Orion, und ihrer Tochter gerät sie in eine für sie lebensbedrohliche Not. Trotz der wunderbar eigensinnigen Menschen, die ihr Dorf bewohnen, trotz der ausgelassenen Feste und der Geschichten, die man hier erzählt, muß die junge Frau, wie ihr immer klarer wird, fliehen...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.05.2004

Rike Felka freut sich, dass nach längerer Pause wieder ein Roman der Schweizer Autorin Gertrud Leutenegger vorliegt und zeigt sich von der Geschichte, die parallel von der Trennung der Hauptfigur von ihrem alkoholkranken Ehemann und von ihrem Rückblick in die eigene Kindheit erzählt, äußerst angetan. Wie aus früheren Büchern der Autorin gewohnt sieht sich die Rezensentin von den "Bilderfolgen", die der Roman in vielen "Nahaufnahmen" entfaltet, beeindruckt, und sie ist auch von der "atmosphärischen Sensibilität", die sich darin zeigt, begeistert. Besonders faszinierend findet Felka die doppelte Perspektive der Erwachsenen und des Kindes in den Schilderungen. Dabei bleibe in machen Passagen unklar, ob es sich um "Traumfetzen" oder um "Realitätspartikel" handelt, die sich in der einem "linearen Satzbau" widersetzenden Sprache spiegeln, stellt die Rezensentin fest. Sie preist den Roman als gleichzeitig "spröde und anmutig" und sie betont noch mal ihre Freude darüber, dass Leutenegger "wieder präsent ist".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2004

Heinz Ludwig Arnold charakterisiert diesen Roman von Gertrud Leutenegger als ein Buch "über Abschiede". Da ist zum einen die Trennung der Protagonistin von ihrem alkoholkranken Mann, aber auch der Abschied von der Kindheit sowie das Abnabeln der eigenen Tochter werden zum Thema gemacht, fasst der Rezensent zusammen. Selten habe ein Buch, dessen Titel die Göttin der Baumfrüchte nennt und das auch von der Mutter der Erzählerin handelt, die alte Apfelsorten erntet und für den Winter einlagert, "so ganz nebenbei" auch die Lust auf Äpfel geweckt, meint Arnold angetan. Er stellt fest, dass der Roman eine Rondo-Form aufweist und dort aufhört wo er anfängt, gleichzeitig erkennt Arnold darin ein erzähltes "Triptychon", in dessen Zentrum die namenlose Erzählerin steht, die sich einerseits an ihre Kindheit erinnert und andererseits diese Erinnerungen an die eigene Tochter weitergeben will. Ein Kontinuum in all diesen geschilderten Trennungen liegt in der "Offenheit für den Schmerz", so der Rezensent etwas kryptisch und das demonstriert für ihn auch eine der "schönsten und zartesten" Stellen des Buches, wenn nämlich die Mutter ihre Tochter abstillt und ihr zum Trost alle Wörter vorspricht, die sie schon kennt. Das ist mitten aus der "Lebenspoetik" der Autorin heraus geschrieben, weiß der Rezensent, der sich ganz von dieser "Poesie der leisen Wörter" und der "empfindenden Sprache" gefangen nehmen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2004

Weniger mit dem üblichen literaturkritischen Handwerkszeug als sprachlich und szenisch evozierend schreibt der Rezensent Andreas Nentwich über dieses Buch. Soviel ist den Plot betreffend dennoch zu entnehmen: Es geht um drei Frauen, die namenlos bleiben, Großmutter, Mutter, Tochter und es geht um Pomona, die Göttin der Früchte, verkörpert durch Äpfel, die weiter gereicht werden von der einen zur anderen. Metaphorisch, als Markierungen des Erinnerns, gelegentlich aber wohl auch buchstäblich. Es erzählt die Mutter, aber die Erzählung verharrt in traumähnlichen Zuständen. Auch ein Vater kommt vor, als "furchtbarer Gott", den es zu verlieren gilt. Nirgends sagt der Rezensent, was er davon hält, freilich führt er seine Zustimmung sprachlich ein- und nachfühlend vor.
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