Gertrud Leutenegger

Panischer Frühling

Roman
Cover: Panischer Frühling
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518424216
Gebunden, 221 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Ein Vulkanausbruch auf Island legt den europäischen Luftverkehr lahm, zehntausende Menschen stranden an den Flughäfen. Während die Bilder der Aschewolke um die Welt gehen, steht über der Themse ein strahlend blauer Frühlingshimmel - die Stadt wirkt wie abgeschnitten vom Rest der Welt. Auf der London Bridge begegnet die Erzählerin einem jungen Mann mit einem Feuermal im Gesicht. Jonathan verkauft die Obdachlosenzeitung; er ist ein lausiger Verkäufer, aber er ist ein begeisterter Erzähler. Und er hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Von der Südküste Englands ist er hierher geflüchtet, wie er sagt, weil sich das Meer dort unten immer mehr nimmt, als ihm zusteht. Jeden Tag treffen sie sich von nun an auf der Brücke über der Themse, und allmählich gehen die vergessenen Geheimnisse des einen in den anderen über.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2014

Rezensentin Judith von Sternburg erwähnt es lobend: Der Ton dieser Erzählung ist leicht und ungezwungen. Muss, weil die beiden Geschichten, die Gertrud Leutenegger hier erzählt, die eine vom Ausderzeitfallen durch einen Vulkanausbruch, die andere von einer nicht ganz alltäglichen Liebe ohne Kuss, gar nicht so ohne weiteres zusammenzupassen scheinen. Dennoch gelingt es der Autorin laut Sternburg durch Augenblickssätze, verwirrende, ja märchenhafte Zustände und Erlebnisse zu fassen und für den Leser erfahrbar zu machen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2014

Es lebe die Melancholie, freut sich Meike Fessmann angesichts des Romans von Gertrud Leutenegger, mit dem die Autorin laut Fessmann ihre Suche nach dem vollkommenen Augenblick fortführt, einen Erzählraum durchmessend, in dem die Zeit stillsteht. Literarisch ist das ein Genuss, den die Rezensentin unmittelbar durch Stimmungen erfahren kann. Hier etwa, wenn die Autorin Gegenwart und Vergangenheit in einem Netz von Bezügen verwebt, Schrecken und Glück in einem Gesicht zusammenfinden lässt oder Bilder schafft, in denen sich der Leser gut aufgehoben fühlen darf. Betulichkeiten fallen laut Fessmann da kaum ins Gewicht. Leutenegger hält die Balance zwischen bedrohlichem Jetzt und dem Gestern, genau wie das melancholische Ich im Roman, erklärt Fessmann.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.04.2014

Ursula März kannte Gertrud Leutenegger bisher nur als stille Autorin, die sich mit ihrer assoziativen Prosa in der Nähe der Lyrik bewegte. Das fand März schon immer sehr schön, aber auch ein bisschen überspannt. Davon kann bei Leuteneggers Roman "Panischer Frühling" keine Rede mehr sein, ruft die Rezensentin begeistert. Nicht mehr losgelassen hat sie diese packenden Geschichte einer Frau, die vom isländischen Vulkan Eyjafjallajökull in London festgesetzt wird und durch die Stadt und ihre Geschichte flaniert. Am großartigsten fand März die Beschreibungen der Themse, der Leutenegger einen "quirlenden Stillstand" zuschreibt. Das passt, findet März, genauso gut zur Prosa der Autorin, die meditativ und dynamisch zugleich sei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2014

Die Autorin trifft den richtigen Ton für eine Beschreibung der Großstadt. Für Rainer Moritz keine Selbstverständlichkeit. Dass man dabei ohne "Elendsrealismus" auskommen und die Gegenwart mit Gewinn an die Vergangenheit binden kann, erlebt der Rezensent mit Gertrud Leuteneggers neuem Roman, der 2010 nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull in London spielt. Wenn die Ich-Erzählerin äußeres Stadtbild und innere Erinnerungslandschaft miteinander abgleicht, staunt Moritz, wie elegant und mit wie geringem Aufwand die Autorin Kindheitsgefühle zu evozieren weiß. Dass prachtvolle poetische Bilder hier weniger selbstgenügsam erscheinen als in früheren Texten der Autorin, dass sie präzise gesetzt beim Leser einen Zauber in Gang setzen, gefällt dem Rezensenten sehr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2014

Voller Bewunderung schreibt Wiebke Porombka über die Poesie der Gertrud Leutenegger, die auch in diesem Roman wieder einen Störfall nutzt, der den Lauf der Welt für einen Moment anhält: den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, dessen Aschewoke eine Unterbrechung des europäischen Flugverkehrs erzwang. In diesen Tagen hält sich die Erzählerin in London auf, und die fehlenden Flugzeugen geben den Sinnen und Gefühlen Raum zum Aufsteigen. Leuteneggers Sprache beschreibt Porombka als "ein permanentes Wogen", zwischen Nähe und Ferne, zwischen Gegenwart und Vergangenheit". Als eine stetige Annäherung an sich selbst erlebt die Rezensentin das Erzählen in diesem Buch, und das scheint sie sehr glücklich zu machen.