Gerhard Wolf

Schleier und Spiegel

Traditionen des Christusbildes und die Bildkonzepte der Renaissance
Cover: Schleier und Spiegel
Wilhelm Fink Verlag, München 2002
ISBN 9783770536320
Gebunden, 508 Seiten, 66,00 EUR

Klappentext

Mit 150 zum Teil farbigen Abbildungen. Schleier und Spiegel sind Leitmetaphern des Bildverständnisses antik-christlicher Tradition, das Christusbild bietet sich als zentrales Paradigma an. Der Schleier, um den es dabei geht, ist das Schweißtuch der Veronika. Das Buch rekonstruiert die Geschichte dieses nicht von Menschenhand geschaffenen "wahren Bildes" in Ost und West von seinen Anfängen an und analysiert die spezifischen Konstellationen von Wort, Bild und Körper. Der "Spiegel" schließlich ist die Quelle des Narziß, eine frühneuzeitliche Metapher für das (sich selbst, den Künstler, die Betrachter) "reflektierende" Bild. In einer Serie von Bild- und Textanalysen wird deutlich, daß die Bildkonzepte der Renaissance in intensiver Auseinandersetzung mit der Tradition des "wahren Bildes" entstanden sind. Das Buch versteht sich als ein Beitrag zur historischen Bild- und Medienanthropologie und bietet zugleich historische Grundlagen für die aktuelle Diskussion.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.05.2003

Hoch beeindruckt, wenn auch manchmal im Duktus etwas akademisch und nicht immer ganz nachvollziehbar resümiert die Rezensentin Christiane Kruse die Argumentationen des Trierer Kunsthistorikers Gerhard Wolf. Sie erzählt zunächst noch einmal die Geschichte des Schweißtuchs der Veronika, das die Heilige Christus auf dem Kreuzweg gereicht haben soll und in dem sich der Legende nach das Gesicht Jesu abzeichnete. Diese Abbildung firmiert in der Kunst-, Kultur- und Religionsgeschichte als "vera icon" und hatte prägenden Einfluss. Die Abbildung auf dem Schweißtuch habe als "Bildbeweis" gegolten, und es nimmt nicht wunder, wie Kruse ausführt, dass es sowohl bei Künstlern als auch bei Kunsttheoretikern wie Alberti "tiefe Beunruhigung" auslöste. Wolf, so Kruse weiter, wolle seine Geschichte der vera icon eingebettet sehen in eine Bild- und Medienanthropologie. Immer wieder hebt die Rezensentin hervor, wie faszinierend die an der poststrukturalistischen Schule gebildeten Assoziations- und Reflexionswege Wolfs seien, wie reich das "Beziehungsgeflecht aus Bildern, Texten und Intertexten" bei dem Autor entfaltet werden. Zugleich warnt sie den unbescholtenen Leser: Eine chronologische Nacherzählung der Wirkungen des Urbilds darf man hier nicht erwarten, vielmehr solle man bereit sein, "einem leidenschaftlichen, aber rastlosen Wanderer auf seiner Expedition durch die europäische Bildgeschichte zu folgen" - auf einem offensichtlich kurvigen, aber an Perspektiven reichen Weg.
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