Wie kommt der Einzelne in der pluralistischen Gesellschaft zu einer realitätsgerechten Orientierung? Wann sind die Institutionen, die Mitmenschen, das kulturelle System hilfreich, wann verwirrend? Geht die Aufklärung in der Informationsflut unter? Um sich orientieren zu können, fabrizieren Menschen eine Landkarte ihrer sozialen Welt im eigenen Kopf. Ihr Maßstab ist Sympathie, Nähe und Ferne. Informationen unterliegen einer Bewertungsgeografie. Die Materialien für die Konstruktion und Ausgestaltung des psychischen Raumes nimmt der Einzelne aus dem sozialen und kulturellen System. Damit werden die Anderen und die Institutionen zu Mitspielern, die Aufklärung ermöglichen, aber auch Verwirrung stiften können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2002
Mit "beträchtlicher Fähigkeit und Neigung zum unverblümten, plastischen Formulieren" geißelt Gerhard Schmidtchen nach Einschätzung des "L.L." zeichnenden Rezensenten die "Dummheit der Informationsgesellschaft". So prognostiziere Schmidtchen beispielsweise eine "genetische Stigmatisierung" mit "einer immer größer werdenden Datenschleppe" und werfe die Frage auf, ob wir nicht eines schlechten Tages zur "Informatik-Salzsäure" erstarren. Wie der Rezensent erklärt, versteht Schmidtchen Dummheit dann aber doch eher im Sinn von Blindheit und Verblendung. Sie erwachse "der Informationsgesellschaft aus der Erwartung, der Markt neuer Techniken der Kommunikation verbürge allseitige Transparenz, Aufklärung und Humanität", zitiert der Rezensent den Autor. Die Menschen indes seien "Orientierungswaisen". Systematisch verfolge Schmidtchen dabei die Frage, wie sich ihre Orientierung kognitiv, affektiv, raumzeitlich, pragmatisch, empirisch aufbaue, wie die Institutionen dazu beitragen oder Orientierung sabotieren. "Unüblich und stimulierend" findet der Rezensent Schmidtchens Votum für die "Offenhaltung der Orientierung in der kultivierten Ambivalenz".
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