Gerhard Gnauck trägt seit 1985, als er seine Geburtsstadt erstmals wieder besuchte, Geschichten und Begebenheiten aus Warschau zusammen. In seiner Lesereise vereint er historische Themen und enttäuschte Hoffnungen mit der Aufbruchstimmung und den Veränderungen der Gegenwart. Der Autor hat den beliebtesten Politiker, den mächtigsten Chefredakteur und den reichsten Unternehmer des Landes besucht. Er ist der Frage nachgegangen, ob Warschau nun im Osten, in Europa oder nicht doch in Amerika liegt, und kann von Antworten berichten, die in alle Himmelsrichtungen weisen. Neben einer kleinen Chronik der großen Verbrechen, die in den letzten Jahren die polnische Kapitale beschäftigt haben, wendet sich Gnauck auch freundlicheren Facetten des Warschauer Lebens wie den Frauen und dem Wodka zu, sowie Spaziergängen auf dem Warschauer Königsweg und der Syrena, dem Wahrzeichen Warschaus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2004
Bisweilen ist die Rezensentin Barbara Wündisch etwas genervt vom Tonfall des "Welt"-Korrespondenten Gerhard Gnauck, dem Verfasser dieser akademischen Reiseführer über Warschau. Bisweilen etwas "geschwätzig" findet sie dessen Betrachtungen der Stadt, die nach Gnaucks eigenen Bekunden nur schwer zugänglich ist. Oft findet sie auch seine Metaphern inhaltlich und stilistisch misslungen, doch alles in allem will sie nicht abstreiten, dass der in Warschau geborene Autor "kenntnisreich" und das Buch dementsprechend informativ ist: "Immer lernt man Neues, ob vom Zeitungsgründer Adam Michnik, Präsident Aleksander Kwasniewski und seiner Frau Jolanta oder einem akademisch gebildeten Geschwisterpaar als Restaurantbetreiber."
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