Vom Urchristentum bis zu Scientology, von der Heiligen Römischen Kirche bis zur Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters: Gerald Willms entfaltet das Panorama der 2000-jährigen Kultur- und Ideengeschichte der religiösen Bewegungen des Abendlandes. Beginnend mit der "Sekte des Nazareners" und ihres Aufstiegs zum religiösen Global Player, gilt das besondere Augenmerk freilich immer den Parias der Religionsgeschichte: den Nonkonformisten, Verweigerern und Außenseitern. Es ist das Credo Willms', die dauerhafte "Normalität" religiöser Abweichungen und "Sonderformen" schlicht zu dokumentieren, ohne sie zu verurteilen. Das Ziel ist weder Rechtfertigung noch gar "Verharmlosung", sondern der Versuch, das So-und-nicht-anders-Sein der sogenannten "Sekten" verstehbar zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.01.2013
Für ganz hervorragend hält Dirk Pilz dieses Buch über religiöse Gruppen und geht gegenüber allen potenziellen Kritikern gleich in die Vorwärtsverteidigung: Es seien bekanntlich die "Bescheid-Wisser" und Nicht-Verstehen-Woller", die sich beim Thema Religion hervortun und sie in ihrem säkularen Hochmut verunglimpften! Was der Göttinger Religionsforscher Gerald Willms nun über die verschiedenen religiösen Gruppen oder Sekten im Einzelnen schreibt, verrät Pilz nicht. Er hält vor allem für spannend, dass sich Willms den verschiedenen religiösen Gruppen - vom Christentum bis zu Scientology - nähert, ohne über sie zu urteilen, und ihnen allen attestiert, gleichermaßen die "weltanschaulichen Wahrheiten" ihrer Anhänger zu bündeln. Von Verblendung könne dabei nicht die Rede sein, stellt Pilz klar, es gehe ihr hier lediglich um die Verpflichtung gegenüber einer "Weltwahrnehmungsperspektive". Und wer kann schon sagen, welche der vielen Wahrheiten wahrer ist als andere? Schließlich habe auch das Christentum als jüdische Sekte angefangen.
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