Die biblische Urgeschichte bedenkt die Entstehung der Welt und ihrer Ordnung, das Woher des Menschen und die Ursprünge der Kultur. Sie ist Ausdruck für die in antiken Kulturen weitverbreitete und nach dem damaligen naturkundlichen Kenntnisstand durchdeklinierte Grundüberzeugung, dass alles Gegenwärtige und alles Zukünftige sein Wesen im Anfang erhalten hat. In diesem Sinne bietet die biblische Urgeschichte weniger eine Erklärung der Entstehung der Welt, sondern ist in erster Linie ein Versuch, die Erfahrung des Menschen mit sich und seiner Umwelt deutend zu verstehen. Im Zentrum dieses Nachdenkens in beispielhaften Erzählungen, zu denen sich naturkundliche, genealogische und geographische Ausführungen gesellen, steht der Mensch in seinen vielfältigen Beziehungen zum Mitmenschen, zur nichtmenschlichen Schöpfung und zu Gott. Jan Christian Gertz legt mit seinem Werk eine neue Kommentierung der Urgeschichte vor, deren Erzählungen von Adam und Eva, Kain und Abel, der Arche Noach und dem Turmbau zu Babel wie wenige andere Literaturwerke unser Selbst- und Weltbild geprägt haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.07.2018
Rezensent Arno Widmann hat Spaß mit der Übersetzung und Erläuterung des ersten Buch Mose durch den evangelischen Alttestamentler Jan Christian Gertz. Dass Widmann nicht beurteilen kann, wo Gertz irrt, wo nicht, schmälert die Lektürefreude für ihn nicht. Gern lässt sich der Rezensent vom Autor die Überlieferungsgeschichte des Sintflut-Teils und der Paradiesgeschichte auseinandersetzen. Am stärksten aber erscheint ihm Gertz darin, alternative Lesarten plausibel zu machen, was Widmann anhand der Eingangspassage der Genesis verdeutlicht. Auch dem Versuch des Autors, sämtliche Interpretationsstränge einer Passage offen zu legen (was gewiss ein schönes Pilpul sein wird) zollt er Applaus.
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