Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Unter dem Titel "Le regard" (Der Blick) veröffentlichte Georges Salles 1939 "eine Suite von Essays" (Walter Benjamin), die sich mit dem Zugang zur Kunst beschäftigen. "Die augenblickliche Gewißheit des Kunstliebhabers ist weder intellektueller noch weniger organisch als das Ergötzen eines Feinschmeckers. Alles spielt sich im Schock eines Eindrucks ab, der wirr ist für unseren Geist, doch deutlich für unsere Sinne. Um beide Genüsse spielt dieselbe Verschwommenheit, dasselbe Schweigen der Vernunft; in beiden Fällen das Erwachen eines Appetits, dann ein Wiederkäuen im Schatten. Das Zutun des Bewusstseins ist darauf begrenzt, ein Konzert von Bildern zu erhellen und im einzelnen wahrzunehmen, nicht, es in Ideen umzuwandeln." (Georges Salles)
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
Eines der wichtigsten Bücher für jeden, der gerne Bilder und das Leben betrachtet, ist Georges Salles' "Der Blick". Es ist ein alter Text, aber er hat nichts von seiner Frische verloren. Salles geht auf die Gegenstände und auf seine Art sie wahrzunehmen zu, als habe er niemals ein Buch gelesen, das ihm erklären möchte, wie er sich zu verhalten hat. Er ist ein freier Mann mit einem freien Blick. Er schert sich nicht um Regeln, nicht um das, was man tut und das, was man unterlässt... Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.01.2002
Für den Rezensenten Hans-Peter Kunisch gehört Georges Salles, Archäologe, später Leiter der Musées des France und Enkel Gustave Eiffels, zur "seltenen Spezies der theoretisch interessierten Feinsinnigen", der darum aber dennoch kein theoretisch wirkendes Werk verfasst hat, sondern mit leichter Feder und trockenem Humor schon 1939 eine Rezeptionsästhetik entworfen habe, "als diese noch nicht gängig war". Dem Autor sei es immer um die "Schulung der Sinne" gegangen, schreibt er, nicht um den Kennerblick auf ein Kunstwerk, sondern um die Erschließung eines Werks durch den "träumerischen Blick". Kunisch freut sich, dass das "schöne, kleine Buch" des "geschickten Stilisten" nun auch in deutscher Übersetzung erscheint.
Glücklicher Moment! Wenn im Blick auf die Bilder immer auch die Zeit auf den Betrachter zurückblickt. Durch die Lektüre hat Harald Fricke noch daran teilnehmen können, über die sechzig Jahre seit Erscheinen des Buches hinweg. Schon deshalb freut ihn die überfällige deutsche Ausgabe. Aber Fricke hat sich auch anstecken lassen von der Begeisterung des Autors, die so gar nichts hat von der Apodiktik fachlicher Kompetenz. "Im Gegenteil. Salles begeisterter Essay ist ein Spiel mit den eigenen Erfahrungen". Und durch dieses Spiel gelingt es bisweilen, die "Übergänge innerhalb der Kulturen" aufzuzeigen oder die Erkenntnisse der Archäologie auf die "Quersumme der Zeit" zurückzuführen.
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