Aus dem Englischen von Jürgen Brocan und Roberta Harms. Kalifornien wird seit Monaten von einer verheerenden Dürre geplagt, als ein Schiff aus dem fernen westlichen Pazifik eine ungewöhnliche Messung meldet. Ein junger Meteorologe in San Francisco nimmt die Anomalie zur Kenntnis und tauft sie insgeheim Maria.Mit rasanter Geschwindigkeit wächst Maria zu einem gewaltigen Sturm heran, entwickelt ein Eigenleben und bahnt sich ihren Weg von der Pazifikküste in die Sierra Nevada und darüber hinaus. Meteorologen, Schneepflugfahrer, ein General, ein Liebespaar und eine unglückliche Eule verfolgen Marias zerstörerischen Weg durch die USA mit ebenso großer Sorge wie Faszination. Der Sturm fegt durch die Staaten, bringt lang ersehnten Regen, überflutet Täler, vergräbt ganze Bergketten im Schnee, und macht den Menschen unbestreitbar bewusst, wie sehr das Wetter ihr Leben bestimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.01.2025
Eine kluge Lektion in Sachen wissenschaftlicher Rationalismus enthält dieses Buch laut Rezensent Tobias Rüther. Dessen Autor, George R. Stewart, war ein Spezialist für Wissenschaftsthriller, in diesem Fall geht es um einen Sturm, der im Winter 1940 die amerikanische Westküste heimsucht, aber gleichzeitig als ein globales Phänomen beschrieben wird. Das liest sich, beschreibt Rüther, wie ein Hollywood-Katastrophenfilm, allerdings einer ohne den einen, herausragenden Helden, was man bereits daran ablesen kann, dass niemand in diesem Buch Eigennamen trägt - bis auf den Sturm, der wird "Maria" genannt. Stilistisch beherrscht Stewart insbesondere epische Tonlagen, erfahren wir, inhaltlich jedoch wird einer nüchternen Wissenschaftlichkeit und einer der Gemeinschaft verpflichteten Verantwortungsethik das Wort geredet. Gerade darin - im Plädoyer für eine der Aufklärung verpflichteten Weltsicht - ist dieses Buch, findet Rüther, auch heute noch hochgradig aktuell.
Wieland Freund freut sich über Jürgen Brocans Neuübersetzung von George R. Stewarts "Romanbiografie eines Sturms" von 1940. Der Übersetzer bringt die nötige lyrische Erfahrung mit, um Stewarts poetische Präzision bei der Beschreibung des Wetters ins rechte Licht zu setzen, findet Freund. Neben Poesie und eher funktionstragenden Figuren sticht der Sturm beschrieben als "irdisches Geschöpf" aus diesem Text hervor, meint Freund. Passagenweise klingt das Buch für den Rezensenten wie modernes Nature Writing. Auf der anderen Seite steckt jede Menge Alltagsbeschreibung darin. Das Jahr 1940 erwacht zum Leben mit handgemachten Wetterkarten und riesigen Fernsprechschränken, staunt Freund.
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