Paula Fox

Kalifornische Jahre

Cover: Kalifornische Jahre
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406471520
Gebunden, 464 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Amerika 1940: Die USA sind im Begriff, in den Krieg einzutreten; die Bevölkerung hat sich gerade von der Depression erholt; zahlreiche europäische Emigranten prägen das tägliche Leben. Und in dieser merkwürdigen - und heute längst nicht mehr existierenden - Welt zieht die siebzehnjährige Protagonistin Annie Gianfala für einige Jahre von New York nach Kalifornien. Annies Schicksal ist verwoben mit dem der Menschen, denen sie begegnet, unter ihnen drei Männer, die für sie besonders wichtig werden: ihr Vater, ein Maler, dessen zahlreiche Frauenbeziehungen von seiner großen Unzuverlässigkeit geprägt sind; ihr späterer Ehemann, von dem sie sich jedoch bald wieder scheiden lässt; und ihr Geliebter, der jedoch seine eigene Familie nicht für sie verlassen möchte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.09.2001

Der erst nach einer Verzögerung von drei Jahrzehnten ins Deutsche übersetzte Roman von Paula Fox überzeugt Ursula März vor allem mit seiner präzisen Milieuschilderung. Das Milieu sei hier zugleich eine Gesellschaftsschicht, die nämlich eines modernen "Bohemeproletariats" im Los Angeles der frühen 70er Jahre. Schauspieler, Drehbuchautoren und Lebenskünstler, zerrissen zwischen desolater Lebenssituation und geistiger und rhetorischer Überaktivität, bevölkern den Roman laut Rezensentin in einem "erzählerisch riskanten, aber thematisch sinnvollen Maß". Ansonsten aber sei der Erzählstil der Autorin nüchtern und unaufgeregt. Das leitet die Rezensentin aus dem Charakter der Protagonistin her, eines in dieses Milieu verschlagenen 17-jährigen Teenagers aus New York. Bei all ihrer Verletzlichkeit und Naivität besäße sie eine kühl und sezierende Beobachtungsgabe. Die von Paula Fox jedenfalls wiese sie als Spezialistin für die Abgründe und den subtilen Horror des Alltags aus.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2001

Gerrit Bartels wünscht sich, dass dieses Buch mindestens ebenso viel "Wirbel" in Deutschland auslöst, wie der kürzlich erschienene Roman von Paula Fox "Was vom Tage bleibt". Denn seiner Ansicht nach ist der Autorin hier ein "sehr nachhaltiges Porträt des Amerikas der 40er-Jahre" gelungen, gleichzeitig jedoch auch ein Zeugnis der "Verwerfungen im Innern, (...) der seelischen Erschütterungen und Abwege, die das Leben ausmachen". Annie, so der Rezensent, gehört zu denjenigen, die nirgendwo hingehören und auch nicht wissen, wo sie hingehören wollen. Die sich mit schlechtbezahlten Jobs durchschlagen, in miesen Wohnungen übernachten und letztlich kaum eigene Aktivitäten entwickeln. Doch vielleicht wichtiger als das ist, wie Bartels andeutet, der Schreibstil der Autorin: Der Rezensent zeigt sich überaus beeindruckt von der Kunst der Autorin, Dialoge zu schreiben, in denen viel Ungesagtes ausgedrückt wird. Fox beherrsche die Fähigkeit, mit wenigen Worten Atmosphäre zu kreieren, dazu sei ihr Stil "lakonisch und ohne falsche moralische Töne", lobt Bartels. Auch Übersetzung von Susanne Röckel findet er gut gelungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2001

Thomas Geiger freut sich über die deutsche Übersetzung dieses Buches, das bereits in den 1970er Jahren im Original erschienen ist und in den 1940er Jahren spielt. Das macht den Roman nach Geigers Meinung zu einem zweifach historischen und ist in deutscher Übersetzung - die Geiger gelungen und "unangestrengt" findet - längst überfällig. Der Handlungsort ist Los Angeles, Hollywood kristallisiert sich zu dieser Zeit gerade zur Traumfabrik heraus und die Protagonistin ist ein junges Mädchen von der Ostküste, die hier ihr Glück sucht. Was sie auf dieser Suche so alles erlebt und sieht, könnte in furchtbaren Kitsch münden, meint Geiger, der "kühle Ton", in dem "die éducation sentimentale der Anni Gianfala" erzählt wird, verhindert das aber. Deshalb zeigt er sich beeindruckt von Paula Fox Roman, bei dem sich "Individualgeschichte und Zeitgeschichte" kreuzen. Er lobt die Entscheidung der Verlegers, sich dieses Roman anzunehmen, nachdem letztes Jahr "Was am Ende bleibt" von der Autorin veröffentlicht wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2001

Besser spät als nie, scheint sich Angela Schader zu sagen. Daran, dass das vorliegende Buch im amerikanischen Original bereits 1972 erschienen ist jedenfalls, stört sich die Rezensentin überhaupt nicht. Was die nunmehr 77-jährige Autorin hier "auf die historische Breitleinwand" projiziert, schreibt Schader, ist äußerst zeitgemäß. Nachdem sie uns den Inhalt des Buches kursorisch wiedergegeben hat, erklärt die Rezensentin auch, warum das so ist: In seinem scheinbar mäandernden Gang, in der kaleidoskopischen Vielfalt der vorgeführten Milieus und Figuren, in seiner schneidenden Charakteranalyse, die uns politische und ethische Überzeugungen als bloße Akzidenzien des Subjektiven erkennen lassen - in diesem unheimlichen Relativismus, so Schader, ist dieser Roman zeitgemäß und unbarmherzig kritisch zugleich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2001

Manuela Reichart ist von diesem Roman, dessen Autorin hierzulande durch das 1970 entstandene Buch "Was am Ende bleibt" bekannt geworden ist, völlig begeistert. Den zwei Jahre später geschriebenen Roman, der das Erwachsenwerden einer jungen Frau schildert, die sich mit verschiedenen in den 1940er Jahren herrschenden Ideologien vom Kommunismus bis zur Psychoanalyse auseinandersetzt, charakterisiert die Rezensentin als "Bildungsroman" und lobt ihn als "furiosen Bilderbogen" dieser Zeit. Sie bewundert die "Genauigkeit, Melancholie und nicht zuletzt die Komik" dieses Buches und schwärmt besonders von dem präzisen Blick, mit dem die amerikanische Autorin die Menschen beschreibt und der, wie die Rezensentin meint, den "besonderen Ton und Reiz" von Fox ausmacht.
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