Georg Groddeck

Das Buch vom Es

Manuskriptedition und Materialien zum Buch vom Es
Cover: Das Buch vom Es
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783878778318
Gebunden, 940 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Im ersten Band wird der kritisch durchgesehene Text seiten- und zeilenidentisch mit dem Erstdruck wiedergegeben. Der zweite Band macht zum ersten Mal den umstrittenen Entstehungsprozess des Buches anhand der vollständigen Edition des mehrschichtigen Druckmanuskriptes zugänglich, das einschließlich aller Streichungen in gut lesbarer textgenetischer Darstellung wiedergegeben wird. Die Präsentation der Textentstehung im Detail gibt zu erkennen, wie Georg Groddeck hartnäckig um einen populären Text ringt, wie er mit terminologischen Schwierigkeiten kämpft und abstrakte systematische Probleme zu vermeiden sucht. So zeigt zum Beispiel ein Briefbeginn in der Handschrift, wie sich der Schreiber bemüht, der ungläubigen Freundin den psychoanalytischen Begriff der "Sublimation" zu erläutern, ehe er ihn dann selber verwirft und den ganzen Passus im Manuskript durchstreicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2004

Ein ganz so großes und aufwändiges editorisches Unternehmen wäre vielleicht nicht nötig gewesen, überlegt Ludger Lütkehaus laut, schließlich werde Georg Groddeck vom Verlag damit in eine Reihe mit Kafka, Hölderlin oder Kleist gestellt. Da melden sich Zweifel an, doch, gesteht Lütkehaus ein, habe dieses gründliche Verfahren auch sein Gutes, da gerade in der Psychoanalyse den Streichungen oder Unterstreichungen, eben den verschiedenen Varianten, dem "Verworfenen" und dem "Korrigierten" besondere Bedeutung zukomme. Georg Groddeck und Sigmund Freud standen in deutlicher Konkurrenz zueinander, verrät der Rezensent, obwohl oder gerade weil Groddeck ein sogenannter "wilder Analytiker" und Autodidakt war, einer der Väter der Psychosomatik. Letztlich stand Groddeck der romantischen Naturphilosophie und der Voraufklärung näher als Freuds psychoanalytischem Vokabular, resümiert Lütkehaus. Von Groddecks und Freuds Eitelkeiten und Konkurrenzkampf sei in der Manuskriptedition mehr zu erfahren, schön sei außerdem, freut sich der Rezensent, dass die "Gottnatur" (so hieß eine der Schriften Groddecks) mit sehr menschlicher Stimme und das "Es" ziemlich persönlich spreche.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2004

Eberhard Rathgeb macht sich mit sichtlichem Vergnügen daran, das "Buch vom Es" von Georg Groddeck zu besprechen. Im Gegensatz zu Rudolph Steiner, der die Menschen Erleuchtung lehren wollte, und zu Siegmund Freund der sie mittels der Assoziation zu verstehen und zu heilen suchte, erscheint ihm der Arzt Georg Groddeck wie ein "wilder Jägersmann" der jedem mit seinem Es "die Hucke voll quatscht", wie der Rezensent fasziniert schreibt. Der Autor interpretiert in seiner Abhandlung alle Krankheiten und Schmerzen psychosomatisch, erklärt Rathgeb. Er sieht in dem Buch, das als Briefsammlung an eine Freundin verfasst ist, das "Skript für eine moderne Horrorvision", in der der Autor sich in einen "wahren Reigen an aberwitzigen Deutungen" stürzt. Dabei zeigt Groddeck keine "Scheu und Scham, denn er wollte, dass sein Werk eben die "Freiheit und Unbändigkeit atmet", die das Es für ihn verkörpert, so der Rezensent beeindruckt. Was ihn dabei besonders zu faszinieren scheint ist der Gegensatz von Groddecks "wüstem Buch" zu den Ausführungen der "fleißigen Baumeister" Freud und Steiner, die ihre Thesen "völlig unironisch" unter die Leute zu bringen suchten, wie der Rezensent amüsiert betont.
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