Evas Mann
Roman

Kanon Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783985680528
Gebunden, 192 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Pieke Biermann. Eva Medina Canada sitzt im Knast, schweigsam und ohne Reue. Sie hat ihren Liebhaber ermordet, warum, bleibt ihr Geheimnis. Ihre Erinnerungen kreisen um die Begegnungen mit den Männern in ihrem Leben - den Schuljungen, den Freund ihrer Mutter, den Cousin, ihren Ehemann, einen Fremden im Bus. Solange sich Eva erinnern kann, wurde sie bedrängt, überhört und missbraucht. Es sind singuläre Erlebnisse, die aufgehen in einer universellen weiblichen Erfahrung: der vermeintlichen Verführerin. - Die unmittelbaren Gedanken und Gefühle einer schwarzen Frau, der die Selbstermächtigung auf tragische Weise gelingt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2025
Rezensentin Emilia Kröger freut sich, dank des Kanon-Verlags den zweiten Roman der Amerikanerin Gayl Jones entdecken zu können: Ihre Protagonistin Eva hat einen Mann umgebracht und sich an Ort und Stelle verhaften lassen. Sie schweigt gegenüber den Ermittlungsbehörden und dem Psychiater, der sie begutachten soll, erzählt die Geschichte aber durch Erinnerungen, assoziationsreich und oft ohne klare Anknüpfungspunkte, wie Kröger betont. Schnell wird klar, dass Eva in ihrem Leben von Männern vor allem Übergriffigkeit erfahren hat: Davon erzählt Jones in einer innovativen Montagetechnik, in der auch die Ähnlichkeit der Protagonistin zu Medusa deutlich wird und die Rezensentin insgesamt sehr überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.04.2025
Als die "beste Romanautorin, deren Namen Sie nicht kennen" bezeichnete ein Kritiker einmal die US-Amerikanerin Gayl Jones. Ob Rezensentin Sylvia Staude diese Einschätzung nach der Lektüre von "Evas Mann" teilt, erfahren wir nicht. Allerdings zeigt sich in ihrer Kritik eine tiefe Faszination und Anerkennung für dieses 1976 im Original erschienene Buch und dessen Autorin. Sympathie empfindet Staude nicht für Gayl Jones' psychisch gebrochene Protagonistin Eva, aber ihr schneller, rauer und erbarmungslos direkter Erzählstrom reißt die Rezensentin mit sich und macht Evas Enttäuschung, ihre immer größer werdende Wut und ihre fragwürdigen Entscheidungen nachvollziehbar. Immer wieder und wieder, seit ihrer Kindheit schon gerät sie an Männer, die ihr nicht das geben, wonach sie sich so sehr sehnt: Liebe, sondern sie im Gegenteil verachten, missbrauchen, einsperren, ausnutzen, bis sie schließlich zu einem drastischen Mittel greift. Eine düstere Geschichte über ein heilloses Leben, so die bewegte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 10.03.2025
Rezensent Michael Eggers ist froh, dass mit Gayl Jones' Roman nun eine der wichtigsten feministischen afroamerikanischen Stimmen endlich wieder auf Deutsch vorliegt: In einem fast atemberaubend direkten Stil, sehr gelungen übersetzt von Pieke Biermann, erzählt die Heldin Eva von all den ekelhaft sexistischen Männern, die ihr begegnen. Dass ihr Nachname Medina ist, ist kein Zufall, vermutet Eggers, er sieht darin eine Nähe zu Medusa, denn auch Eva bringt irgendwann einen ihrer Lover um, aus Rache. Je näher sie ihrem Breakdown kommt, desto zerklüfteter wird auch die Sprache, hält der Kritiker fest, am Ende liest er einen Bewusstseinsstrom, der es mit James Joyce aufnehmen kann. Zeit, dass Gayl Jones auch in Deutschland die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr zusteht, schließt er.