Gamze Kubaşık, Semiya Simsek

Unser Schmerz ist unsere Kraft

Neonazis haben unsere Väter ermordet (Ab 13 Jahren)
Cover: Unser Schmerz ist unsere Kraft
Fischer Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2025
ISBN 9783737373487
Paperback, 192 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Semiya ist vierzehn Jahre alt, Gamze zwanzig, als ihre Väter von der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund", NSU,  ermordet wurden. Die beiden in Deutschland aufgewachsenen Jugendlichen verbindet derselbe Schmerz. Die Vorverurteilung der deutschen Polizei und das Desinteresse der Öffentlichkeit trifft die beiden mit voller Wucht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2025

Die Väter von Gamze Kubasik und Semiya Simsek wurden vom NSU ermordet, nun haben sie als "Akt der Selbstermächtigung" gemeinsam mit der Journalistin Christine Werner ein Buch geschrieben, das besonders erschütternd deutlich macht, wie empathielos mit den Familien umgegangen wurde, wie Rezensentin Yagmur Ekim Cay betont. Das Buch richtet sich vor allem an Jugendliche, erklärt sie, und verbindet die Erinnerungen Kubasiks und Simseks mit Passagen, in denen Werner erläutert, was im Verfassungsschutz alles schiefgelaufen ist und wieso der Begriff "Dönermorde" so problematisch ist. Die Autorinnen schreiben über das Leiden, nicht nur die Väter zu verlieren, sondern auch noch die eigene Familie von einer unfähigen Polizei verdächtigt zu wissen, lesen wir. Cay lobt besonders die Empathie, die hier in aller Kraft gezeigt wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2025

Rezensentin Ulrike Nimz liest dieses Buch mit Gewinn. Geschrieben haben es Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek, Töchter zweier Opfer der rechtsextremistischen Terrororganisation NSU, das Zielpublikum sind junge Menschen, die hier die Perspektive der Opfer rechten Terrors kennenlernen können. Das von Kubaşık und Şimşek gemeinsam mit Christine Werner, einer Journalistin, verfasste Buch ist in einer direkten, zugänglichen Sprache verfasst, freut sich Nimz, einer Sprache, in die auch türkische Ausdrücke einfließen und die darauf abzielt, Empathie herzustellen. Teils ist das Buch in Dialogform verfasst, wobei die Chatverläufe, die zu lesen sind, nicht unbedingt eins zu eins Abschriften realer Gespräche sind. Weniger um Trauma geht es, als um Enttäuschung über den Rechtsstaat, der lange die Opferfamilien selbst ins Visier genommen hatte, aber auch um Selbstermächtigung. Weiterhin enthält dieses Buch, schließt die Rezension, Hinweise auf die fortgesetzte Gefahr durch Rechtsextremismus in Deutschland, QR-Codes erschließen weitere Materialien. Insgesamt sei das ein Buch, das einem jungen Publikum wichtige Erkenntnisse erschließt und weiterhin auf aktuelle Gefahren hinweist.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.09.2025

Enver Simsek war 2000 das erste Opfer des NSU, 2006 wurde Mehmet Kubasik ermordet - nun erzählen ihre beiden Töchter Gamze Kubasik und Semiya Simsek ihre Geschichte in einem Jugendbuch, das Rezensentin Dina Netz beeindruckt liest. Die Ermordung der Väter kann von beiden nicht ungestört betrauert werden, da die ermittelnden Polizisten sie mit Mutmaßungen und Rassismus demütigen und weil die beiden in der Öffentlichkeit nicht in Ruhe gelassen werden. Die Gefühle der beiden "Seelenschwestern", wie sie sich nennen, sind zwischen Tagebucheinträgen und Whatsapp-Chat in verschiedenen Stilen verfasst, denen die Co-Autorin Christine Werner immer wieder Erklärungen zu den Geschehnissen und dem Staatsversagen bezüglich des NSU beifügt. Somit ist das Buch Netz zufolge ideal für Jugendliche geeignet und sollte Schullektüre werden, wie sie abschließend festhält. 

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