Galsan Tschinag

Das geraubte Kind

Roman
Cover: Das geraubte Kind
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783458171843
Gebunden, 320 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Galsan Tschinag erzählt eine Tuwa-Legende aus der Mongolei des 18. Jahrhunderts. Ein Nomadenjunge, Hynndynn, wächst bei Pflegeeltern auf, nachdem seine Mutter kurz nach seiner Geburt gestorben ist. Ihm wird von weithergereisten Fremden ein ungewöhnliches Schicksal prophezeit, und tatsächlich wird er als Knabe entführt, um von hohen Persönlichkeiten in China eine umfassende Bildung zu erhalten. So lernt er höfische Umgangsformen und wird als junger Mann in die Heimat zurückgebracht, wo er zum Fürst ernannt wird und als neues Oberhaupt seines Stammes die chinesische Okkupation seiner mongolischen Heimat einleiten soll. Aber der Tuwa-Stamm wehrt sich. Schließlich besinnt sich Hynndynn auf seine Herkunft, bekennt sich zu seiner Heimat und nimmt den Kampf gegen die chinesischen Besatzer auf...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2004

Bei dem "geraubten Kind", erklärt der begeisterte Rezensent Ludger Lütkehaus, handelt es sich um eine mündlich überlieferte Tuwa-Legende, die auf historischen Ereignissen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts beruht: Das chinesische Kaiserreich versuchte, sich die abtrünnigen Provinzen (unter ihnen das Altai-Gebirge) untertan zu machen, indem es Kinder aus diesen Provinzen ausbildete, um sie dann als "willfährige Herrscher" einzusetzen. Doch Hynndynn, der Held der Geschichte, sei so etwas wie der Schwejk der Tuwa: Nur scheinbar zur chinesischen Ideologie bekehrt, erweise er sich bei seiner Rückkehr in den Altai als würdiger Vertreter seiner Volksgruppe, und wehre die chinesischen Übernahmeversuche ab, mit List, bis es schließlich zur offenen Konfrontation komme. Besonders gefallen haben dem Rezensenten die sich bis zum Schluss steigernde Spannung, der überwältigende "Reichtum an konturenscharf porträtierten Charaktere", die "grandiosen" Landschaftsschilderungen, aber vor allem die "Verbindung einer listigen Humanität mit einem umwerfenden Humor", die in den Reden der Häuptlingsberater ihren Höhepunkt erreicht. Diese Reden, so der Rezensent, kann man sich stundenlang anhören, so sehr bringen sie die diplomatischen Nerven zum Flattern. Allein den Schluss findet der Rezensent nicht gelungen. Die "finale Apotheose" erscheine angesichts des historischen - und ernüchternden - Endes "unglaubwürdig". Alles in allem aber, so Lütkehaus' Fazit, "ein wunderbares Buch".
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