Lennart Voßwinkel, fünfundfünfzig, geschieden, arbeitet als Ministerialrat in einem Finanzministerium. Ein durchschnittlicher Beamter ohne Perspektive, so scheint es. Immerhin lebt er auch noch in der Welt der Literatur, und er ist einem Geheimnis seiner Kindheit auf der Spur, das ihn bis in die Gegenwart hinein mit lähmenden Schuldgefühlen belastet. Ein Wechsel an der Spitze des Ministeriums bringt das Gleichmaß seines Lebens aus dem Takt: Monika Herbst, hinreißend, kühl und souverän, die persönliche Referentin des neuen Staatssekretärs, tritt in sein Leben, nicht nur in sein dienstliches.
Einen mutigen Schritt in eine Welt, die "nicht gerade mit attraktiven Figuren reich" besät ist, hat Gabriele Wolff mit ihrem neuen Krimi gewagt, lobt Tobias Gohlis. Selten habe jemand das mittlere Beamtentum und typische Behördengebaren so scharf ins Auge gefasst. Ein Mord in einem Amt, ein Staatssekretär, der in ein korruptionsverdächtiges Immobiliengeschäft verwickelt ist und ein Beamter, der plötzlich nach Höherem strebt - all das hat Gabriele Wolff "glänzend" geschildert. Dem Beamten als "Existenzform zwischen Kratzfuß und Kratzbürstigkeit" hat sich bisher auch kaum ein Autor gewidmet, bedauert der Rezensent. Ihm fällt nur Susanne Thommes' Buch "Unter Krokodilen" ein, eine "bösartige" Studie über Managerkämpfe. Schön, dass mit Gabriele Wolffs Krimi diese Lücke jetzt ein wenig geschlossen und dem "Ducken und Mucken" von Beamten ein "subtiles Denkmal" gesetzt wurde.
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