Gabriela Adamesteanu

Stimmen auf Abstand

Roman
Cover: Stimmen auf Abstand
Wallstein Verlag, Göttingen 2026
ISBN 9783835360860
Gebunden, 383 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen von Jan Koneffke. In einer Kleinstadt der rumänischen Karpaten erinnert sich die pensionierte Ärztin Anda Movila an ihr Leben mit zwei Ehemännern - der eine starb gewaltsam bei der Revolution von `89, der andere an einer Krankheit. Sie denkt an ihre Kinder Liviu und Delia, die mittlerweile in Frankreich und den Vereinigten Staaten ihr Glück suchen. Andas Erinnerungen lassen auch die Zustände in der Klinik während des Kommunismus, Ehebruch und Eifersucht oder den Urlaub am Schwarzen Meer in einem Luxushotel in Nachbarschaft zur Sommerresidenz des Diktatorenehepaars wiederaufleben. Die Gegenwart erreicht sie als Alarm vor Braunbären, die den Touristenort heimsuchen, als Fernsehnachrichten und Social-Media-Gerüchte oder durch die Stimmen ihrer Kinder und Freunde am Telefon - auf Abstand. Bis sie beschließt, die rätselhafte Geschichte um Ceausescus Oberkellner Trif und seine Frau aufzuschreiben: Denn in Rumänien ist die Vergangenheit nicht selten überraschender als die Zukunft. Gabriela Adameșteanu entwirft in ihrem neuen Roman ein Panorama der rumänischen Welt: Familien, die durch die Emigration zerfallen; nie vernarbte Erfahrungen von Rechtlosigkeit und Gewalt; und die Verwerfungen einer Gesellschaft, die mit der Vergangenheit nie abrechnen wollte. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.03.2026

Rezensent Tobias Lehmkuhl liest Gabriela Adamesteanus neuen Roman als eine Erzählung "auf Abstand". Mit "Stimmen auf Abstand" führt die rumänische Autorin ihre große Erzählung von der Geschichte Rumäniens im 20. und 21. Jahrhundert fort. Auch in diesem siebten Teil begegnet Lehmkuhl wieder der Protagonistin Letitia aus den letzten drei Romanen, diesmal jedoch nur am Rande, als Gesprächspartnerin der pensionierten Ärztin Anda, die sich aufgrund der Corona-Pandemie in die Isolation begeben hat und nun, aus diesem Abstand zur Welt und zu ihrer Vergangenheit ihre Lebensgeschichte zu erzählen beginnt. Geschickt komponiert Adamesteanu die langen Telefonate zwischen Letitia und Anda mit Berichten aus personaler Perspektive. Jan Koneffke hat das Ganze zudem treffsicher übersetzt, lesen wir. Und dennoch setzt beim Rezensenten irgendwann eine gewisse Ermüdung ein. Was hier erzählt wird, geht ihm nicht nah, könnte man sagen. Und diese Distanz ist nicht allein der Erzählsituation und dem Alter der Protagonistin geschuldet. Lehmkuhls Problem ist vielmehr, dass die Vergangenheit, von der die Autorin Anda erzählen lässt, nicht mehr die nötige Dringlichkeit besitzt, um ihre Geschichte zu tragen. 

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