Die Gefahr, die von der US-amerikanischen Außenpolitik ausgeht, ist unter der Präsidentschaft von George W. Bush selbst für enge Verbündete offensichtlich geworden. Der Kanadier Gabriel Kolko zeigt in seinem Buch auf, dass der Hang zum Krieg die US-amerikanische Außenpolitik schon seit Beginn des Kalten Krieges prägt. Von Korea über Vietnam bis zum Irak durchziehen die Kriegsbesessenheit und die Selbstüberschätzung der USA die jüngste Geschichte der einzig übrig gebliebenen Supermacht wie ein roter Faden. Doch der Wille zur Dominanz mit militärischen Mitteln wirkt politisch kontraproduktiv und führt in die Sackgasse. Trotz militärischer Anfangserfolge, die jeweils hochgejubelt werden, werden die Ziele, die ursprünglich angestrebt worden sind, nie erreicht. Kolko analysiert außenpolitische Entscheidungsfindungsprozesse und geht der Frage nach, warum anstelle von rationalen Erwägungen auf politischer, diplomatischer und humanitärer Ebene Ignoranz und Faktenblindheit vorherrschend sind. Kolko sagt nicht, dass alle internationalen Probleme durch die USA geschaffen wurden oder werden: Viele Konflikte haben eigenständige Wurzeln, aber ohne Einmischung der USA und ihre Waffenlieferungen ginge es sowohl den Betroffenen als auch dem US-amerikanischen Volk besser.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2008
Eine etwas seltsame Kritik hat Ludwig Watzal da geschrieben. Das Buch scheint die amerikanische Außenpolitik in Bausch und Bogen zu verdammen, behandelt George W. Bush als einen besonders extremen Repräsentanten einer sozusagen genetisch immer gleichen Tendenz, die nur aus Hegemonialstreben und Verfechtung eigener Interessen zu bestehen scheint, und fordert gleich auch noch eine Auflösung der Nato. Watzal teilt diese schematisch wirkenden Ansichten keineswegs. "Die Besserwisserei nervt", sagt er. Aber dann stellt er fest, dass das Buch ja eine Stimmung trifft, als wäre das ein Argument, das seine Thesen stützt.
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