Wir sind dabei - ob wir es wollen oder nicht. Lange Zeit erschien es wie ein unwahrscheinlicher Alptraum, dass sich eine Diktatur auf dem Boden einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung breitmachen könnte. Die aktuellen Ereignisse weltweit zeigen etwas anderes. Dabei lernen wir auch, dass die Übergänge zu einem autoritären Regime fließend sein können, Staatsbürger:innen an vielen Stellen ein Auge zudrücken, der Hoffnung folgend, dass es so schlimm schon nicht kommen wird.Wer genau erkennen und bewerten will, was sich am politischen Horizont abzeichnet, muss verstehen, wie Diktaturen funktionieren und wie Diktatoren dafür sorgen, dass sie sich als solche etablieren können. Fritz B. Simon nutzt dazu das reiche Instrumentarium der Systemtheorie und legt überzeugend dar, welche idealtypischen Muster Diktaturen in ihrer Entstehung und Erhaltung ausgebildet haben. Besonders aufmerksam wird man das Kapitel über die Beendigung von Diktaturen lesen und darin erfahren, wie es Gesellschaften gelingt, den Worst Case zu beenden und das Heft erneut in die Hand zu nehmen.Solchermaßen ertüchtigt, kann man genauer beobachten und besser verstehen, was gerade geschieht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2026
Für den hier rezensierenden Soziologen Fran Osrečki stellt sich die Frage, zu welchem Zweck der emeritierte Organisationsprofessor Fritz B. Simon dieses Buch geschrieben hat. Für ein Sachbuch ist es zu enzyklopädisch "sammelnd", für ein Fachbuch zu wenig bezogen auf aktuelle sozialwissenschaftliche Diskurse, meint Osrecki. Was der Autor über Diktaturen und ihre Funktionsweise zusammenstellt, scheint Osrecki allzu wohlfeil, schon da der Autor nur die üblichen Verdächtigen wie Hitler, Mussolini Franco, Mao, Stalin, Mobuto usw. in den Blick nimmt. Herauskommt laut Osrecki ein Bestiarium, die sozialen Strukturen dahinter bleiben eher im Dunkeln. Das deskriptive, konventionelle Vorgehen des Autors erinnert Osrecki zudem an den Geschichtsunterricht. Derart triviales Wissen mit "schmückendem Jargon" zu garnieren, genügt nicht, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, findet er.
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