Schriften zu Nationalsozialismus und Antisemitismus
Gesammelte Schriften 3
Ca ira Verlag, Freiburg i. Br. 2026
ISBN
9783862591343 Gebunden, 328 Seiten, 31,00
EUR
Klappentext
Der dritte Band der Gesammelten Schriften Friedrich Pollocks enthält Texte zu Nationalsozialismus und Antisemitismus sowie Überlegungen zur europäischen Nachkriegsordnung. Als Jude und Marxist in doppelter Hinsicht von Verfolgung bedroht, war Pollock 1933 nach Genf emigriert, wo er die Zweigstelle des Instituts für Sozialforschung leiten sollte. Schon 1934 ging er nach New York, um an der Columbia University zusammen mit Max Horkheimer das Institute for Social Research unter gänzlich neuen Bedingungen wiederaufzubauen. Als Co-Direktor und Verwaltungschef blieb Pollock nach der Emigration zunächst wenig Zeit für die wissenschaftliche Arbeit. Der für die Studien über Autorität und Familie des Instituts geplante Text über Authority and Economics kam über den in diesem Band erstmals abgedruckten Entwurf nicht hinaus. Abgesehen von einigen Rezensionen blieb Pollock mehrere Jahre lang wissenschaftlich unproduktiv. Dies änderte sich erst mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Einem Aufsatz über die Kriegsproduktion folgten 1941 zwei Schlüsseltexte der Kritischen Theorie, nämlich Aufsätze über die Epoche des Staatskapitalismus und den Nationalsozialismus als neue Ordnung. Parallel dazu fertigte Pollock Notizen und Aphorismen zur Klassentheorie an, die in eine rudimentär gebliebene Theorie der Racketgesellschaft einmündeten. In einem hier präsentierten zweiten Block wird Pollocks sozialwissenschaftliche Analyse des Antisemitismus vorgestellt, war er doch federführend an einem Forschungsprojekts des Instituts über Anti-Semitism among American Labour beteiligt und steuerte ein eigenes Kapitel bei, das hier erstmals veröffentlicht vorliegt. Anschließend an die Befunde aus der Labourstudie sowie weitere Institutsprojekte zum Antisemitismus hielt Pollock 1944 auf dem Washingtoner Kongress der Women's International League for Peace and Freedom einen bis heute bemerkenswerten Vortrag über Political Antisemitism, der auch den zeitgleich in Europa stattfindenden Judenmord thematisierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2026
Wer sich für die Geschichte der Frankfurter Schule interessiert, wird dieses Buch mit Gewinn lesen, versichert Rezensent Jörg Später. Es handelt sich um den dritten Band der Werkausgabe Friedrich Pollocks, einer heutzutage wenig rezipierten Schlüsselfigur der Gruppe. Die hier versammelten Schriften lassen erkennen, wie Pollocks zunächst marxistische Position von der Erfahrung des Holocaust, der in seinen Augen jenseits der Rationalität des Kapitalismus steht, erschüttert wird. Wobei Pollock nicht so weit geht wie etwa Horkheimer, der den Antisemitismus als eigentliche Kraft hinter der Geschichte beschreibt - Pollock bleibt, als pragmatischer linker Denker, näher an marxistischen Positionen, wobei er in einem damals vieldiskutierten Text lobende Worte für den staatlich gelenkten Kapitalismus der Roosevelt-Ära in den USA findet. Nebenbei erfährt man noch, dass Pollock Hannah Arendt nach Frankfurt locken wollte. Insgesamt lernt man laut Rezensent hier einen klugen "Theoretiker mit Augenmaß" kennen, dessen Schriften nachvollziehen lassen, was für ein Schock der Holocaust für linkes Denken bedeutete.
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