Friedrich Engels, Karl Marx, Joseph Weydemeyer

Marx-Engels-Jahrbuch 2003, 2 Bände

Die deutsche Ideologie - Artikel, Druckvorlagen, Entwürfe, Reinschriftenfragmente und Notizen zu 1. Feuerbach und 2. Sankt Bruno
Akademie Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783050038377
Gebunden, 480 Seiten, 59,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung (IMES). Redaktion: Gerald Hubmann (Berlin), Beatrix Bouvier (Trier), Galina Golovina (Moskau). Der erste Band des neuen Jahrbuches eröffnet mit der Vorabpublikation einer Gruppe von Textzeugen des MEGA-Bandes I/5: Karl Marx, Friedrich Engels, Moses Heß: Die deutsche Ideologie. Manuskripte und Drucke (November 1845 bis Juni 1846). Die hier vorliegende Edition trägt bei der Text- und Variantendarbietung der in jüngerer Zeit gewonnenen Erkenntnis Rechnung, daß es weder im Frühjahr noch im Herbst 1845 den Plan eines zweibändigen Werkes "Die deutsche Ideologie" gab. Vielmehr begannen Marx und Engels die Kritik der nachhegelschen Philosophie mit einem Artikel gegen Bruno Bauer, dessen Entwurf aus den überlieferten Originalhandschriften teilweise rekonstruiert werden kann. Die Textzeugen dokumentieren die Auseinandersetzung von Marx und Engels mit Bruno Bauer: sie lassen eine neue Wertung der Feuerbachschen Philosophie erkennen, und es entstehen Betrachtungen zu idealistischer und materialistischer Geschichtsauffassung, eingebettet in die zeitgenössische Diskussion der Hegelschen Linken über ihren Standort in der nachhegelschen Philosophie. Erstmals werden hier die Entwürfe, Notizen und Reinschriften-Fragmente, die in den bisherigen Editionen mit Hypothesen und Interpretationen der Herausgeber zu einem Kapitel "I. Feuerbach" konstituiert und in verschiedenen Fassungen ediert worden sind, als selbständige Textzeugen in chronologischer Folge dargeboten und so ediert, wie sie von den Autoren hinterlassen worden sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2004

Nach dem gemeinhin "proklamierten Ende des Marxismus" würdigt Gert Lange die Publikation eines Marx-Engels-Jahrbuchs, von dem nun der erste Band in zwei Teilbänden vorliegt, durchaus als "Wagnis". Darin wird eine der "wichtigsten Schriften" von Karl Marx und Friedrich Engels, "Die deutsche Ideologie", worin sich die "Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus" über ihre politische Position nicht zuletzt im Gegensatz zu Bruno Bauer und Max Stirner auseinanderzusetzen versuchten, einer genauen philologischen Begutachtung unterzogen, erklärt Lange. Die Schrift wurde als "Gründungsdokument einer neuen Geschichtsauffassung" angesehen und imponiert heute noch durch "Gedankentiefe" und "Esprit", betont der Rezensent. Im Marx-Engels-Jahrbuch wird nun die Schrift "gegen den Strich gebürstet", indem zunächst einmal deutlich gemacht wird, dass sie in der bisher publizierten Form als "Autorentext nie existiert hat". In Wahrheit handelt es sich nämlich keineswegs um einen geschlossenen Text, sondern vielmehr um ein Manuskriptkonvolut mit mehreren Fassungen, das in seiner Gesamtheit zu Lebzeiten der Autoren gar nicht publiziert wurde, informiert der Rezensent. Deshalb findet er auch das Druckbild des Jahrbuchs, das in zwei Spalten aufgeteilt ist und damit "Varianten, Ergänzungen, weiterführenden Bemerkungen" auch "optisch" verdeutlicht, sehr gelungen. Hier wird ein "hervorragender Einblick in die Arbeitsweise" von Marx und Engels geboten, lobt Lange, der die "Brisanz" der Schrift in der bis dahin nicht da gewesenen "Originaltreue" sieht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.08.2004

Lang und breit referiert Christian Semler die komplizierte, von ideologischen Verwerfungen gezeichnete Geschichte der Ausgaben der Werke von Marx und Engels. Schwer hatten es stets die sogenannten Frühschriften der beiden Autoren, die oft keineswegs auf der späteren dogmatischen marxistisch-leninistischen Linie waren. Die höchst einflussreiche Schrift unter dem merkwürdigen Titel "1. Feuerbach" - merkwürdig, weil Feuerbach darin gar nicht vorkommt - war eine editorische Erfindung eher als ein in der Gestalt der nachmaligen Veröffentlichung konzipierter Text. Die Originalgestalt ist jetzt im neu begründeten "Marx-Engels-Jahrbuch" nachzulesen. Die Authentizität ist durch den Verlust einer definitiven Fassung erkauft - aber keineswegs zu teuer, meint Christian Semler. Lesenswert seien Einleitung und Kommentar - nur mit der Selbstbezichtigung der Herausgeber, ihr editorisches Verfahren sei als "dekonstruktivistisch" zu bezeichnen, ist der Rezensent nicht einverstanden. Es handelt sich, lobt er, um redliche Philologie, nicht mehr, nicht weniger.