Friedrich Christian Delius

Die Frau, für die ich den Computer erfand

Roman
Cover: Die Frau, für die ich den Computer erfand
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783871346422
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die unglaubliche Geschichte des Konrad Zuse, der den ersten Computer der Welt baute - und die Erfindung einer unmöglichen Liebe. "Glauben Sie mir, das Erfinden, auch das geht ja nicht ohne Eros. Ohne Eros entwickelt sich nichts im Leben, nicht einmal der Bau von Rechenmaschinen ... Die Frau, die Leibniz verstand. Die mich verstand. Die Frau, die mich erfand. Die mit mir den Computer ... Die Frau, für die ich den Computer erfand ... Das war sie und das ist sie und das wird sie immer sein, wenn dies Bekenntnis einmal in der Welt ist."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2009

Interessant findet der Rezensent Christoph Bartmann allemal, wie Autor Friedrich Christian Delius das Leben - und vor allem das Liebesleben - des Computer-Erfinders Konrad Zuse fiktionalisiert. Ob Bartmann die Erzählung aber auch überzeugend findet, wird in der Besprechung nicht so richtig klar. Auch nicht, ob er das Faustische an der Erzählung stimmig findet. Lakonisch konstatiert er: "Eigentlich ist uns jede Romankonstruktion recht, auch die Erfindung einer Frau." Auf jeden Fall macht es dem Rezensenten Spaß, die "Nacht-Seite des Computers" zu entdecken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2009

Einen Roman wie diesen hätte der Rezensent Hans-Jürgen Schings dem Autor, den er bislang als Alt-Achtundsechziger eingeordnet hatte, nicht zugetraut. Ganz offen und ohne Vorurteile und Technikfeindlichkeit nämlich nähere der Ich-Erzähler sich hier dem Computer-Erfinder Konrad Zuse. Der erzählt im Gespräch sein Leben und das heißt auch davon, wie er den Computer erfand und wie er sich - unpolitisch im Wesentlichen - durch das Dritte Reich manövrierte. Zwar spielen auch Faust und Mephisto in dies stark monologische Zwiegespräch herein, eine Hauptrolle übernehmen sie jedoch nie. Nicht so ganz gelungen findet Schings nur den Kunstgriff, auf den der Titel verweist. Zuse nämlich wird eine Frau aus anderen Zeiten zugesellt, Ada Lovelace, die einst die Mitarbeiterin von Charles Babbage, also des Rechenmaschinenerfinders des vorangegangenen Jahrhunderts war. Sie bleibt so ein "Gespenst", der Roman aber wird zur "Erfolgsgeschichte" eines faszinierenden Mannes.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.08.2009

Ursula März bespricht F.C. Delius' Roman über den Computer-Pionier Konrad Zuse mit aller Sympathie, ihrer Meinung nach sind die beiden - das verkannte Genie auf der einen, der auf Doku-Fiction spezialisierte Romancier auf der anderen Seite - wie geschaffen füreinander. Und tatsächlich funktioniert der Roman für sie über weite Strecken auch ganz fantastisch. Sehr plastisch führt Delius ihr den kauzigen Tüftler mit all seinem "Eigensinn, Charme und Attitüden" vor Augen, und zwar indem er Zuse selbst in einem fiktiven Interview sein Leben erzählen lässt. Gebannt lauscht sie, wie Zuse von seiner Entwicklung des Z3 erzählt, von dem Widerstand und der Ignoranz, auf die er gestoßen ist (noch 1967 entschied ein Gericht, dass Zuse nichts "patentwürdiges" erfunden habe, berichtet März), und von der Kränkung, die dies bedeutet hat. Aber im Verlauf des Buches funktioniert dies für März ein wenig zu gut, und wenn sie dem Erzähler auch die "Onkelwitzchen" und Spießigkeiten verzeiht, findet sie die - durchaus authentischen - Wiederholungen eines alten Mannes mit der Zeit ziemlich ermüdend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.08.2009

Verhalten äußert sich Rezensent Jürgen Verdofsky über F. C. Delius' Roman "Die Frau, für die ich den Computer erfand". Die Idee eines Buchs über Konrad Zuse, Erfinder des ersten funktionstüchtigen, frei programmierbaren und programmgesteuerten Computers der Welt, des Z3, scheint ihm zwar zu gefallen. Aber für die Umsetzung kann er sich nicht wirklich erwärmen. Delius' Zuse, der in vorliegendem Roman einem Journalisten über sein Leben, seine Arbeit, seine imaginierte Liebe zu Ada Byron erzählt, erscheint Verdofsky vor allem als monologisierender Melancholiker. Eine Kompositionshöhe wie in Delius' "Bildnis der Mutter als junge Frau" sieht er hier durch "abschweifende Rollenprosa" vertan. Sein Fazit: "Auch in der Literatur gehen gute Ideen an ihrer Übertreibung zugrunde."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2009

Zwei real existierende Figuren mit sich nicht überschneidenden Lebzeiten führt Friedrich Christian Delius in diesem Roman zusammen. Der eine ist Konrad Zuse, der deutsche Erfinder des Computers. Die andere ist Ada Lovelace, Tochter von Byron, Mitarbeiterin des Rechenmaschinen-Visionärs Charles Babbage und Erfinderin der "ersten Programmiersprache der Welt". Zwischen den beiden lässt Delius nun eine Liebesgeschichte sich kontrafaktisch ereignen, und er tut dies mit voller Absicht, wie die Rezensentin Beatrix Langner feststellt, so, dass auch von ihr offenkundig für halb-legasthenisch gehaltene "Googler und Chatter" es verstehen. Das ist dann wohl als hoch ambivalentes Lob zu begreifen.

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