Franzobel

Shooting Star

Stefan Griebl bildet sich ein, der Dichter Franzobel und von lästigen Verehrerinnen verfolgt zu sein Oder die allerneuesten Leiden einer jungen Wertherin
Cover: Shooting Star
Ritter Verlag, Klagenfurt/Wien 2001
ISBN 9783854152941
Kartoniert, 130 Seiten, 14,83 EUR

Klappentext

Was macht der zunehmend verrückt werdende Künstler mit seinem liebsten, aber offensichtlich verrückt gewordenen Fan? Wie schützt sich der Meister vor seinem Porträt? ? Der Shooting Star muß gegen fanatisierte Bücherratten, emotionalisierte Lesewürmer und wildgewordene Schreibhengste ins Feld ziehen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2001

Seit seinem Klagenfurter Debüt "Die Krautflut" im Jahr 1995 hat der österreichische Schriftsteller Stefan Griebl alias Franzobel "Bücher im Dutzend hervorkarnickelt", was Manfred Papst inzwischen nach aller Begeisterung zu einer nüchternen Einschätzung des Verhältnisses von Quantität und Qualität im literarischen Schaffen des schrägen Autors führt. Erstaunt ist der Rezensent jedenfalls nicht, dass Franzobel sich im Bücherherbst nicht mit einer, sondern gleich mit drei "selbstverliebten" Publikationen schmückt, von denen er zwei näher beleuchtet hat.
1) Franzobel: "Shooting Star"
In "Shooting Star" schlägt der Autor einen weiteren Purzelbaum, meint Papst. Der Roman ist so autobiografisch wie handlungsfrei, das heißt, er handelt vom Autor, der sich einbildet, von lästigen Verehrerinnen verfolgt zu werden, berichtet Papst, den die "Sprachgaukeleien und vielfach verschlungenen Assoziationsketten" zwar erfreut haben, die er aber genauso schnell wieder verblichen findet. Franzobel schreibt zu schnell, denkt der Rezensent, so schnell, dass der Leser das Gelesene genauso schnell wieder vergisst wie vermutlich der Autor selbst. Ganz amüsant findet Papst die angefügten Porträts Franzobels, die er sich von 14 Touristenmalern an der römischen Piazza Navona erstellen ließ. Die "Mösenlieder" über Pocci, Hafis, Heyse, Matthison und andere hingegen hat Papst als schwächliche Parodien hingenommen.
2) ders.: "Best of. Die Highlights"
Damit ja nicht zu wenig von Franzobel auf dem Büchermarkt kursiert, hat der Autor noch einen weiteren Band mit verstreuten Texten nachgelegt: Erzählungen, ein lyrischer Zyklus, Essays über Goethe, Kaiserin Sissi und die österreichische Politik sowie sechs kurze Dramen sind hier zusammengestellt, informiert Papst. Auch hier hat er viel Witziges gelesen, aber auch hier läuft die Schrägheit ins Leere, und man hört die Konstruktion deutlich klappern, meint der Rezensent. Franzobels Nabelschau hat den Rezensenten inzwischen ermüdet und er fragt sich, ob der Autor trotz seines artistischen Talents und seiner sprudelnden Selbstdarstellung ein Opfer seiner Methode geworden ist.