Sie haben alle ihre Geschichten, im lange erwarteten neuen Roman von Franziska Greising. Sie sind es auch, die ihrer Protagonistin, einem Kind, bis zum Eintritt ins Erwachsenenleben nicht nur die Welt, sondern auch die Fluchtwege erschliessen. Es ist eine Welt voller Widersprüche. Was es wissen sollte, will das Kind nicht immer hören. Was es hört, soll es nicht immer wissen. Dennoch, es wohnt in einem Haus an sonniger Lage, zusammen mit den Schwestern Melody und Julia. Über das Dach fliegen die Enten, die Eltern streiten nie und verreisen oft wochenlang nach Afrika. Aus dem Mädchen wird einmal eine gute Ehefrau mit ein bisschen Allgemeinbildung, das setzen sich Mama und Papa zum Ziel, somit gehört ein sommerlicher Sprachaufenthalt in Frankreich unbedingt dazu.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2012
Vom Wohlbefinden, das der antwortende Titel in Aussicht stellt, hat Beatrice Eichmann-Leutenegger in diesem Roman über eine Kindheit im Luzern der 40er und 50er Jahre wenig gelesen - vielmehr begreift die Rezensentin diese Floskel als eine Formel zur Verdeckung jener Familienvorgänge, die man nach außen gern verschweigt. Entsprechend versteht die Rezensentin diese etappenweise an "elementaren Erfahrungen" entlang abgefasste Kindheitsschilderung der Ich-Erzählerin auch als einen Beitrag zur "Mentalitätsgeschichte" dieser Zeit: Im gleichen Maße wie im Mädchen die Sprache erwache, stoße es an die "Leerstellen", an das, was unbenannt bleibt, etwa im durchaus tadeligen Verhalten eines Pfarrers oder die Folgen einer Liebelei der älteren Schwester. Das Verstummen schildere Greising "lapidar", so die Rezensentin, "beredt" werde ihr Stil, wenn sie auf diese vergangene, in Konventionen gefangene Welt zu sprechen kommt.
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