Franz-Olivier Giesbert

Jacques Chirac

Tragödie eines Mannes und Krise eines Landes. Skandale und Enthüllungen.
Cover: Jacques Chirac
Econ Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783430300148
Kartoniert, 399 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Ulrike Thiesmeyer , Barbara Sperling , Dr. Heiner Must , Angelika Hildebrandt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2006

Aufschlussreich findet Wilfried Loth diese Biografie Jacques Chiracs, die Franz-Olivier Giesbert verfasst hat. Der französische Präsident erscheine als ein Mann der Linken und radikaler Republikaner - trotz seiner häufigen Richtungswechsel. Deutlich wird dies für Loth etwa an Chiracs Bekenntnis einer Mitschuld der Franzosen an der Deportation von 76 000 Juden oder an seinem Engagement gegen den Irak-Krieg. Giesberts Kritik an Chiracs mangelnder Bereitschaft zu notwendigen Reformen etwa beim Sozialsystem oder beim öffentlichen Dienst hält Loth prinzipiell für richtig, bisweilen aber für etwas überzogen. Insgesamt attestiert er dem Autor, viel Hintergrundmaterial zu liefern, von den innenpolitischen Auseinandersetzungen von den Präsidentschaftswahlen 1988 bis zu den Vorstadt-Unruhen im Spätjahr 2005, und Politikern wie Philippe Seguin, Michele Alliot-Marie, Francois Bayrou oder Lionel Jospin Kontur zu verleihen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Jacques Chirac hat sein Land "nicht wirklich verändert oder geprägt": So lautet die "vernichtende Bilanz", die Franz-Olivier Giesbert nach elf Jahren Amtszeit zieht, berichtet die Rezensentin Jeanne Rubner. Giesbert liefert von Chirac ein ambivalentes und "faszinierendes Psychogramm" und porträtiert ihn einerseits als alle und alles verschlingenden "Gargantua", andererseits als furchtsamen und vorsichtigen Menschen, der im Status quo Halt sucht, wie auch seine zweite Amtszeit, die im Zeichen des "Weder-Noch" stand, belegt. Besonders an zwei Punkten habe Chirac in Giesberts Augen entscheidende Fehler begangen: bei der verlorenen Volksabstimmung über die EU-Verfassung (die zugleich sein politisches Ende markiert) und bei der Wahl des "arroganten" und eigenbrötlerischen Dominique de Villepin zum Amt des Premierministers.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2006

Enttäuschung macht grausam, befindet der Rezensent Rudolf Balmer nach der Lektüre dieses Chirac-Porträts. Der Chefredakteur des Magazins "Le Point" und ehemalige Chirac-Bewunderer Franz-Olivier Giesbert rekapituliert Chiracs politische Karriere, die er als Verkörperung der französischen Politik begreift, und kennt in seinem detailfreudigen Enthüllungsdrang nur ein einziges Tabu: die Liebschaften. Ansonsten gehe Giesbert mit Chirac (und also mit Frankreich) hart und gnadenlos ins Gericht: Der allmähliche, stets vom Willen zum höchsten Amt beseelte Aufstieg des "Bulldozers" (wie Pompidou ihn nannte) habe mehr erwarten lassen als einen Präsidenten, der anstatt seine Macht zu nutzen, letztendlich nur damit beschäftigt sei, sie zu halten. Doch selbst diese Zeit sei nun vorbei, behaupte Giesbert, denn Chirac sei seit dem französischen Nein beim Referendum zur EU-Verfassung vom 29. Mai 2005 politisch tot. Was bleibe, sei die Vertrautheit: "Mit den Jahren ist er zu einer alten Gewohnheit geworden, wie der Nachtportier in einem Altersheim, der mit müdem Schritt das Licht ausmacht."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.07.2006

Rezensent Michael Mönninger ist enttäuscht. Denn dieser Chirac-Chronik des "Le-Point"-Chefredakteurs Franz-Olivier Giesbert eilte der Ruf einer Hinrichtung voraus, und zwar eine mit den Ettiketten "unerhört, gnadenlos und vernichtend". Dabei zünde der Autor lediglich ein "Strohfeuer aus Episoden und Anekdoten", gibt der Rezensent nach vollzogener Inaugenscheinnahme der deutschen Ausgabe enttäuscht zu Protokoll. Jacques Chirac werde da als volksnaher Lebemann geschildert, der eigentlich nur einen Fehler habe, seine "Prinzipienlosigkeit". Und die Tatsache, dass er versäumt habe, seine Franzosen für die EU zu gewinnen. Die politische Kaste Frankreichs bekomme ihre Abreibung gleich mit. Nur Nicolas Sarkozy nicht, da Giesbert dessen "offener Parteigänger" sei. Auch mit seinen innenpolitischen Gesamteinschätzungen kann Giesbert den Rezensenten nicht hinterm Ofen hervorlocken. Nur die "gehässige Entzauberung" von Chiracs Ziehsohn de Villepin erfreut unseren Rezensenten schließlich doch.