Frank Rexroth

Fröhliche Scholastik

Die Wissenschaftsrevolution des Mittelalters

Klappentext

Im mittelalterlichen Europa ereignete sich eine Revolution, die bis heute unser Leben bestimmt: Gelehrte befreiten sich von den Glaubensgewissheiten der Vergangenheit und gingen ihren eigenen Fragen nach. Frank Rexroth lässt in seinem Buch das Leben der mittelalterlichen Gelehrten, ihre neuartigen Schulen, ihre Emotionen, Ideen und Entdeckungen lebendig werden und zeigt, wie schließlich das entstand, was wir heute Wissenschaft nennen.
Als Peter Abaelard im 12. Jahrhundert den Vorrang der Vernunft in allen Fragen verkündete (und noch dazu ein Verhältnis mit seiner Schülerin Heloise begann), war das ein Skandal. Doch er war nicht der Einzige, der eigensinnig sein Wissen selbst erforschen und sein Leben dem neuen Projekt des "scholastischen" Wissens verschreiben wollte. Frank Rexroth erzählt, wie sich Schüler zu neuen Gruppen und Schulen zusammenfanden, beobachtet ihre Treue zum Lehrer, ihre Rangstreitigkeiten und ihre lebenslangen Bindungen. Er zeigt, wie Hand in Hand mit der neuen Lebensweise intellektuelle Veränderungen vor sich gingen, die bis heute fortwirken: Gelehrtes Wissen fächerte sich in unterschiedliche Disziplinen auf, es musste strengen Wahrheitsansprüchen genügen - und sollte auch noch nützlich sein. Am Ende dieser epochalen Wende europäischer Intellektualität steht die Geburt der Universität.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2018

Ulf von Rauchhaupt ist beeindruckt, wie Frank Rexroth in seinem Buch das Aufkommen wissenschaftlichen Denkens vor den Universitäten und vor dem Humanismus nachweisen kann. Der Autor interessiert sich laut Kritiker weniger für die großen Namen der Epoche von Albertus Magnus bis Wilhelm von Occamt, als für die durchaus konfliktbeladene Herausbildung einer ganz neuen soziokulturellen Gelehrsamkeit. Dass Rexroth bei allem Ernst auch die schiere Freude der frühen Scholastik am (Gegen-)Argument ins Bild setzt, klar und knapp und wortgewandt, gefällt Rauchhaupt. Angaben über die wirtschaftlichen Aspekte der "Universitas", die Kosten des Unterrichts etc., vermisst er im Buch.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2018

Susanne Reichlin liest das Buch des Historikers Frank Rexroth als Hinweis auf die sozialen Bedingungen des Wissens einerseits, als daraus abgeleitetes Plädoyer für Wissenschaftsfreiheit andererseits. Der Blick auf die Anfänge der Universität im Paris des 12. Jahrhunderts bedeutet der Rezensentin die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Institution und Gesellschaft und legt eine subtile Spur bis ins Heute, die Reichlin zum Nachdenken über aktuelle universitäre Verhältnisse anregt. Von der Zweckgebundenheit des Wissens bis zum methodischen Wahrheitsbegriff, zu Kritik und Zweifel beschreibt Rexroth der Rezensentin detailliert die Entwicklung zur univeritas.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2018

Der hier rezensierende Historiker Valentin Groebner findet Frank Rexroths Beschreibung der rund um die Kloster- und Domschulen entstehenden Gelehrtenkultur im 12. Jahrhundert charmant. Wie sich Wissenschaftsjargon und Lehrercharisma ausbildeten, welche Spielregeln in den Diskursgemeinschaften galten, interessiert den Autor laut Groebner, weniger dagegen die abstrakten Streitfragen der Zunft. Eine Geschichte der Institutionalisierung neuer Wissensformen mit Hierarchisierung, Reglementierung und Vorschriften entsteht, die der Autor bis zum Aufstieg der Universitäten nachzeichnet, so der Rezensent. Klug findet er Rexroths Überlegungen zum Verhältnis zwischen Askese und Profit in den frühen Lehranstalten. Blinde Flecken entdeckt Groebner allerdings auch. Dass der Autor Wissenszentren wie Bagdad oder Konstantinopel unberücksichtigt lässt, kann er ebenso wenig verstehen wie den Umstand, dass äußere Faktoren für den Aufbruch Europas ins Zeitalter des Wissens (Geld, Eroberungen, Bevölkerungswachstum) im Buch kaum vorkommen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de