Mit einem Nachwort von Carlo Fruttero. Aus dem Italienischen von Dora Winkler. Nach einem Besuch bei seiner Schwester, der Prostituierten Adriana, die ihn in ihrem Keller verführt, wird ein junger Römer von der Polizei verhaftet; als er Monate später zu Adriana zurückkehrt, findet er sie moralisch geläutert vor. Der Kriegsheimkehrer Franco kann für kurze Zeit seiner Einsamkeit entfliehen und bei einer polnischen Immigrantin den Schutz einer Ersatzfamilie finden - bis die Vertrautheit sich als Illusion entpuppt. Ein Kretin, der in einem Bordell Hilfsdienste verrichtet, wird für eine gescheiterte Selbstmörderin zur Projektion all ihrer Sehnsüchte. Die frühen Erzählungen Lucentinis, der im Duett mit Fruttero so weltberühmte Bestseller wie "Die Sonntagsfrau" schrieb, spiegeln auf zeitlose und märchenhafte Weise den Neuanfang der Nachkriegsjahre. Abgerundet durch Carlo Frutteros liebevolles Porträt bieten sie literarische Unterhaltung auf höchstem Niveau.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.10.2004
Drei Geschichten von unglücklichen, verletzten und im Nachkriegseuropa herumirrenden Menschen umfasst der Erzählband Franco Lucentinis, der zwei Jahre nach dem Tod des Autors nun veröffentlicht wurde. Rezensent Johann Mass stellt dabei "qualitative Unterschiede" fest: Während zwei Geschichten einen zwar "talentierten", jedoch noch etwas "unsicheren" jungen Lucentini verrieten, lasse die dritte Erzählung bereits die "spätere Könnerschaft" des Autors ahnen, den der Rezensent zumindest in Sachen Auflage auf einer Ebene mit Umberto Eco weiß. Lesenswert sei auch das Nachwort Carlo Frutteros, dem Freund und Kompagnon Lucentinis. "Wunderbar" findet der Kritiker diese "wahre Liebeserklärung" an den Kollegen. Wunderbar auch das Buch, in dem die "Verrätselung des Offensichtlichen zum Programm" werde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2004
Einen schillernden Autor, der "mit allen Wassern der Avantgarde gewachsen" ist, hat Steffen Richter entdeckt: den Krimiautoren Franco Lucentini, von dem nun erstmals auch die frühen Erzählungen auf Deutsch zu haben sind. Für das Glanzstück des Bandes hält der Rezensent den "Bericht von den Ausgrabungen". In der Geschichte von einem einfältigen Bodellbeschäftigten, der durch die Ruinen der Hadriansvilla streift erblickt der Rezensent eine wunderbar anrührende Geschichte über die große Verunsicherung des Auf-der-Welt-Sein. Die mitunter noch aufscheinende "ungelenke Dialogführung" oder "etwas dröhnende Symbolik" verzeiht Richter dem damals jungen Autor gern. Entschädigt wurde er überdies durch das einfühlsame Nachwort von Lucentinis kongenialen Krimipartners Carlo Fruttero.
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