Dacia Maraini

Tage im August

Roman
Cover: Tage im August
Piper Verlag, München 2001
ISBN 9783492041539
Gebunden, 230 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Herbert Schlüter. Dacia Maraini Romandebüt von 1961 spielt im Italien unter Mussolini. "Die Welt ist ein Inferno." Mit diesen Worten warnen die Nonnen des römischen Mädcheninternats ihre Schützlinge vor den Gefahren, die draußen auf sie lauern. Aber die 14jährige Anna brennt vor Neugierde, ebenjene Welt kennen zu lernen. Als dann endlich der Sommer kommt und mit ihm die heißersehnten Ferien, ist Anna fest entschlossen, die Freiheit in vollen Zügen auszukosten. Mit ihrem jüngeren Bruder Giovanni fährt sie an die Küste vor Rom, um den August bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter zu verbringen. Vor dem düsteren Hintergrund des faschistischen Italien macht Anna ihre ersten wahllosen sexuellen Erfahrungen und verführt - ganz die schuldlos schuldige Lolita - Männer jeden Alters. Aber der Sommer geht zu Ende und mit ihm die Zeit der Illusionen ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.08.2002

Franziska Meier ist dem Piper Verlag dankbar, dass er den Erstlingsroman der italienischen Bestseller-Autorin Dacia Maraini wieder ausgelegt hat. "La vacanza", wie der Titel im Original heißt, machte Maraini 1961 schlagartig berühmt. Der Titel ist im doppelten Sinne zu verstehen, schreibt die Rezensentin. Nur vordergründig sind damit die Sommerferien gemeint, in denen das Mädchen Anna die Liebe und Sexualität erforscht. "Vacanza" bedeutet auch Leere, was sich sowohl auf die Erfolglosigkeit von Annas Suche als auch das Leben der Erwachsenen im Nachkriegsitalien beziehe, "die nicht begriffen haben, dass die Zeit gekommen ist, politisch Farbe zu bekennen". Die Rezensentin sieht das Buch als Kritik an der damaligen in Faschisten und Antifaschisten gespaltenen Gesellschaft und zugleich als "Ausdruck und Konsequenz der zögernden Auflockerung und Liberalisierung in der italienischen Gesellschaft". Maraini stellt sich in ihrem ersten Buch als eine "phantasievolle, mit großer Leichtigkeit erzählende Schriftstellerin" vor, vor allem als eine der ersten, die sich im katholischen Italien mit dem Thema Sexualität auseinandergesetzt haben, lobt Meier. Aus der heutigen Perspektive wirken die Liebesszenen des Romans zwar eher "harmlos", findet sie, aber genau wegen dieser Zurückhaltung schon wieder "poetisch".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2002

"Schriftsteller sind nicht immer die kompetentesten Kritiker ihrer eigenen Werke", stellt Kristina Maidt-Zinke in ihrer Besprechung dieses bereits 1961 erschienenen Romans fest. Denn wie Dacia Maraini in einem Vorwort der Neuausgabe nach einem halben Leben auf ihr Debüt zurückblickt, kann Maidt-Zinke nicht verstehen: "Wo die reife Dacia Maraini im Rückblick auf ihren Erstling das Festhalten am Detail und die 'Beschreibung unverständlicher Widersprüche' tadelt, muss man vielmehr die erstaunliche Kunst der Anfängerin loben, aus Leerstellen und Andeutungen ein stimmiges, sinnliches Ganzes zu komponieren." Der Roman trage zwar die "verblassten Pastellfarben" seiner Entstehungszeit, wirke aber gleichwohl "erstaunlich frisch". Des weiteren lobt die Rezensentin, den "naiv-nüchternen Blick" der jungen Maraini als Vorstufe ihrer späteren "unbarmherzigen Distanz" und ihre Fähigkeit, mit wenigen Strichen, politische Blindheit und Bigotterie des italienischen Kleinbürgertums zu porträtieren.
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