Goffredo Parise

Der Geruch des Blutes

Roman
Cover: Der Geruch des Blutes
Piper Verlag, München 2002
ISBN 9783492040570
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Monika Lustig und Viktoria von Schirach. Mit einem Nachwort von Cesare Garboli. Dieser Roman sollte nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Goffredo Parise versiegelte die Niederschrift - erst lange Zeit nach seinem Tod wurde er veröffentlicht. In ihm beschreibt der große Intellektuelle die Geschichte einer selbstzerstörerischen sexuellen Obsession. Silvia und Filippo sind seit 20 Jahren verheiratet. Während sie stillschweigend die Seitensprünge ihres Mannes toleriert, ist er ihr auf seine ganz eigene Art zutiefst ergeben. Doch eines Tages stürzt sich Silvia überraschend in ein erotisches Abenteuer mit einem viel jüngeren Mann

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Hermann Wallmann schätzt den italienischen Autor vor allem wegen zweier "Wörterbücher", in denen er für jeden Buchstaben des Alphabets ein Gefühl in einer Erzählung bearbeitet hat. Im Gegensatz zu der "Fibel der Gefühle" sei der Roman über ein Eifersuchtsdrama eines Ehepaares in einem Zug niedergeschrieben, teilt der Rezensent mit, und dem Nachwort hat er entnommen, dass das postum erschienene Buch vor einem "autobiografischen Hintergrund" entstanden ist. Deswegen, findet er, fehlt dem Roman auch trotz so mancher "betörender Sätze" die "kompositorische Stringenz" und die "transformatorische Eleganz" der Fibeltexte. Dennoch, wendet er gegen die eigenen Argumente ein, erscheint die "konvulsivische Formlosigkeit", des Romans dem Unternehmen der "Eifersuchtsbewältigung" durchaus angemessen und er ist beeindruckt davon, was der Autor "selbst dabei poetisch vermag".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2002

Ziemlich beeindruckt ist Maike Albath von diesem letzten, nachgelassenen Roman von Goffredo Parise, den der Autor nicht mehr fertig überarbeiten konnte. Dadurch gibt es ein paar Redundanzen in dieser Geschichte eines Ehebetrugs, der auf der Oberfläche scheinbar rational abgehandelt wird und dennoch ins Drama führt. Abgesehen davon und von einigen unglücklichen Übersetzungsleistungen von Monika Lustig und Viktoria von Schirach, die das Leseerlebnis der Rezensentin schmälern, findet Albath die Geschichte faszinierend - auch wenn sie konstatiert, dass das Leseerlebnis für Frauen eine zwiespältige Angelegenheit sein könnte: "Einerseits erhält man einen hochinteressanten Einblick in die männliche Seele, andererseits ist Fillipos Macho-Gebaren oft unerträglich". Dennoch, das Buch besitzt in ihren Augen ein große Intensität und so lautet ihr Fazit: "Von seelischen Verstümmelungen zu lesen, ist quälend und faszinierend zugleich: So betäubt der Geruch des Blutes am Ende auch den Leser."
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