Francisca Loetz

Sexualisierte Gewalt 1500-1850

Plädoyer für eine historische Gewaltforschung
Cover: Sexualisierte Gewalt 1500-1850
Campus Verlag, Frankfurt/Main 2012
ISBN 9783593397207
Gebunden, 249 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Die historische Forschung hat Gewalt bislang vorwiegend in Bezug auf Kriege, Morde oder Genozide behandelt. Francisca Loetz plädiert dafür, Gewalt darüber hinaus als Form individuellen sozialen Handelns zu begreifen, das als unerträgliche, auf die Niederwerfung des Opfers zielende Grenzverletzung wahrgenommen wurde. Am Beispiel von Fällen sexualisierter Gewalt im Stadtstaat Zürich zwischen 1500 und 1850 diskutiert Francisca Loetz zentrale methodologische Probleme: von der Definition des Gewaltbegriffs bis zur Frage, was in einer Gesellschaft Gewalt zu Gewalt macht. Auf dieser Grundlage entwickelt sie programmatische Perspektiven für eine historische Gewaltforschung Europas vom 16. bis ins 19. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2013

Mit großem Lob nimmt Urs Hafner diese Arbeit der Zürcher Historikerin Francisca Loetz auf, die sich der sexualisierten Gewalt in der Neuzeit widmet. Ihm hat sie einen "großzügigen Einblick" in die Arbeit der Historikerin gewährt, die er beileibe noch nicht abgeschlossen sieht. Unter sexualisierter Gewalt versteht Loetz Gewalt, die mit dem Mittel der Sexualität ausgeübt wird, im Unterschied zu gewaltsamer Sexualität. Sie ordnet die schier unüberschaubare Zahl der behandelten Fälle unter die damals gebräuchliche Begriffe der "Notzucht" (penetrierend) und dem "Missbrauch" (nicht penetrierend) - unter Auslassung der eher moralisch definierten Begriffe "Unfläterey", "Unzucht", "Hurerei" und "üppige Belästigung". Auffällig findet Hafner, dass viele Frauen durchaus vor Gericht zogen, aber meist nur auf Missbrauch klagten, um keine Probleme wegen einer angeblich angegriffenen Ehre zu bekommen. Interessant scheint ihm auch, wie ernst Kinder damals vor Gerichten genommen wurden.
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