Francis Carco

Jesus Schnepfe

Roman
Cover: Jesus Schnepfe
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2002
ISBN 9783884232002
Gebunden, 212 Seiten, 21,80 EUR

Klappentext

Das Verhängnis beginnt mit der Verhaftung von Bambus, des Gefährten von Jesus Schnepfe. Zunächst aus Einsamkeit lässt sich dieser auf ein Verhältnis mit der selbstbewussten Fernande ein, die ihren gewalttätigen Zuhälter, den Korsen, satt hat. Die Affäre findet zu festen Formen, als der Korse kurz darauf ebenfalls verhaftet wird. Als Jesus Schnepfe sie aus Angst vor dessen Rache zu schlagen beginnt, geht Fernande Pepe Dogge auf den Leim, der als Spitzel in der Szene um den Montmartre seine eigene Machtpolitik betreibt... Francis Carco lebte seit 1910 in Paris, wo er sich in den Nachtbars am Montmartre herumtrieb und Gedichte schrieb. Sein großes Gespür für das im Milieu verborgene Potential an Tragik und Exotik bewies Carco in seinem ersten Roman "Jesus Schnepfe", erschienen 1914. Mit seinen dokumentarischen Stilmitteln für die damalige Zeit sehr modern, gelang ihm mit diesem Buch der Durchbruch als Schriftsteller.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.01.2003

Francis Carcos Roman aus dem Halb- und Unterweltmilieu von Montmartre ist, wie die Rezensentin Ina Hartwig konstatiert, ein vergessener Klassiker. 1914, im Jahr seines Erscheines, war das Werk ein großer Erfolg beim Publikum (weniger bei der Kritik), der Autor war mit einigen Größen der Zeit - von Colette bis Katherine Mansfield - gut befreundet und landete noch zwei weitere Romanerfolge. Die erste deutsche Übersetzung des Werks aus den zwanziger Jahren ist heute jedoch nicht mehr aufzutreiben, umso verdienstvoller das - so Hartwig - "Wagnis" dieser Ausgabe in gelungener neuer Übersetzung. Thematisch ist das Buch zwischen Zola und Genet zu verorten, in der Darstellung des Huren- und Zuhälter-Milieus, dem der Titelheld, der Strichjunge "Jesus Schnepfe" entstammt. Literarisch kann es, betont die Rezensentin, mit beiden bei weitem nicht mithalten, eher einfach die Sätze, viel Argot, kaum Blicke über den Rand der reinen Darstellung. Dennoch stellt sie fest: Die "Wiederentdeckung" lohnt.

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