Wer KZ und Zwangsdienst im Sonderkommando Auschwitz-Birkenau mehr als drei Jahre er- und überlebt hat, der gehört zu den wichtigsten Zeugen des Grauens des Holocaust - und ist für sein Leben gezeichnet. 1979/80 veröffentlichte Filip Müller (1922 - 2013) auf Deutsch seinen Zeugen-Bericht "Sonderbehandlung": Erschütternd, schonungslos und mit geradezu literarischer Wucht erzählt er von seiner Lagerzeit, beschreibt Täter und Opfer und gibt den Blick frei ins Herz der Finsternis. Es handelt sich dabei um die erste authentische Gesamtdarstellung der Geschichte des Sonderkommandos. Wer Müller, als einzigen Zeugen des Sonderkommandos, in Claude Lanzmanns Film "Shoah" gesehen hat, vergisst sein Gesicht, seine Stimme nicht. Nach der Veröffentlichung 1980 gab es massive Bedrohungen durch Alt- und Neo-Nazis, so dass Müller nie einer deutschen Neuausgabe zustimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2022
Rezensent Robert Probst liest den erstmals 1979 erschienenen Augenzeugenbericht von Filip Müller mit Schrecken. Was der Autor als Mitglied des "Sonderkommandos" an den Gaskammern in Auschwitz erlebte, wie er selbst überlebte und wo die Ränder des Erträglichen liegen, erfährt der Rezensent aus dem anlässlich von Müllers hundertstem Geburtstag wieder aufgelegten Text. Herausragend aus der Menge der Zeitzeugenberichte über Auschwitz und die Lagerrealität scheint ihm das Buch durch seine Nüchternheit und seine Detailliertheit. Es lässt erahnen, was der Holocaust war, meint Probst.
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