Nach dem Kopftuch-Urteil vom März 2015 brandaktuell: Eine »Kopftuchlehrerin« vor dem höchsten Gericht: 2003 stritt Fereshta Ludin um ihr Recht, als Lehrerin im Staatsdienst ein Kopftuch zu tragen. Sie wurde zur bekanntesten Muslima Deutschlands: Heldin und Hassfigur. Der Prozess geriet zum persönlichen Duell mit einer Ministerin und veränderte Deutschland. Wie viele "fremde Religiosität" verträgt unsere Gesellschaft? Zum ersten Mal erzählt Fereshta Ludin ihr turbulentes Lebens, das keine typische Einwanderer-Geschichte ist. Tochter eines afghanischen Diplomaten, Schülerin in Saudi-Arabien, Mutter einer muslimischen Patchwork-Familie, Weltbürgerin.
Aufschlussreich findet Heide Oestreich, was sie in "Enthüllung der Fereshta Ludin" liest. Dass der von der Autorin vor 15 Jahren ausgelöste Kopftuchstreit von Anfang an auf einem Missverständnis beruht, wird der Rezensentin mit der Lektüre deutlich: Die deutsche Mehrheitsgesellschaft sieht im Kopftuch stets nur ein Symbol für die Unterdrückung von Frauen, aber für Ludin, die aus einem liberalen Elternhaus stammt, ist der Kampf um das Kopftuch Teil ihres Kampfes für Frauenrechte, und sie wundert sich, weshalb ihr nicht Feministinnen wie Alice Schwarzer zur Seite springen, fasst Oestreich zusammen. Mit diesem Buch nun bemüht sich Ludin, die "Deutungshoheit über ihr Leben" zurückzugewinnen, meint die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2015
Vieles findet Rezensentin Lena Bopp sehr aufschlussreich an dieser Autobiografie der Lehrerin Fereshta Ludin, die fast zwei Jahrzehnte vor deutschen Gerichten dafür stritt, auch in der Schule das Kopftuch tragen zu dürfen. Wichtig findet die Rezensentin Hintergründe zu Ludin, zu ihrem afghanischen Elternhaus und ihrer Kindheit zwischen Deutschland und Saudi-Arabien. Unter anderem erfährt sie, dass Ludin mit zwölf Jahren den Entschluss gefasst hat, das Kopftuch zu tragen, und ihn seitdem nie wieder revidiert. Was Bopp enttäuscht und vielleicht sogar ärgert, ist, dass die Autorin jede weitere Diskussion über das Kopftuch ausschließt, keine Erklärungen oder Beweggründe schildert, und es einfach ein Kleidungsstück nennt.
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