Aus dem Ungarischen von Eva Zador. Ein ehemaliger Universitätsdozent in Budapest fällt psychisch und existenziell ins Bodenlose. Ein in Deutschland lebender Kellner entwickelt Schlafstörungen und bringt sich um. Eine ungarische Aristokratin pendelt zwischen ihren Leben als Klempnerin, als Taxifahrerin und als Schutzengel eines der bedeutendsten ungarischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Die Geschehnisse in einem Genfer Restaurant werden rekonstruiert
und zeigen eine enge Verbindung mit den blutigen Ereignissen in Bosnien. Momentaufnahmen aus dem ungarischen Alltag nach der Wende ...
Die parallele Erzählung der verschiedenen Handlungsstränge weckt die Spannung, dieses literarische Geflecht - wie in einem guten Krimi - zu enträtseln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.09.2016
Rezensentin Insa Wilke kann nur dringend zur Lektüre von Ferenc Barnas' zweitem, von Eva Zador wunderbar ins Deutsche übertragenen Roman "Ein anderer Tod" aufrufen. Die Geschichte um einen ungarischen Musiker, der kurz nach der Wende in einer psychiatrieähnlichen Galerie arbeitet und orientierungslos durch Budapest streift, mag zwar formal anachronistisch anmuten, erklärt die Kritikerin, die bei dem "manischen Kreiseln der Sätze" und dem mechanischen Versuch des Helden, über die grausamen Erlebnisse der Vergangenheit zu reden, an den Formalismus der Zwanziger- und Dreißigerjahre denken muss. Gerade darin liegt allerdings der Reiz des Buches, versichert Wilke, die bewundert, wie Barnas den Wahnsinn und die Fragmente des kollektiven Unbewussten in "wortreiche Stille" kleidet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2016
Jörg Plath hat Ferenc Barnas' zweiten von Eva Zador brillant ins Deutsche übersetzten Roman "Ein anderer Tod" geradezu mit "Atemnot" gelesen. Direkt in die dunkelsten "Verliese einer beinahe zerstörten Seele" führte den Kritiker die Geschichte um einen ehemaligen Dozenten für Literatur und Ästhetik, der derart an der Kränkung des Verlassenwerdens leidet, dass er nicht nur seine Wohnungsfenster zum Selbstschutz vergittern lässt und sich meist in einer Psychiatrie-ähnlichen Kunstgalerie vor der Außenwelt verschanzt, sondern bei seinen Streifzügen durch Budapest mit selektivem Blick nur noch Obdachlose, Trinker, Kranke und Verworfene wahrnimmt. Gelegentlich fühlt sich Plath nicht nur an Rilkes "Malte Laurids Brigge", sondern auch an den Nouveau Roman erinnert: Insbesondere bewundert er, wie der Autor durch den panischen Blick Innen- und Außenwelt verschwimmen lässt und die mysteriös-finstere Atmosphäre immer wieder durch Erinnerungsfetzen zerreißt.
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