Zum hundertsten Jahrestag der Russischen Revolution erscheint die vorliegende Monografie, die darauf angelegt ist, die Todeskonzepte der russischen Moderne in umfassender Weise aufzuarbeiten. Dabei wird eine Vielzahl von aus der Verstreuung beigebrachten Materialien erstmals in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht: Die historisch-kritische Abhandlung gewinnt somit den Charakter eines epochalen, ausführlich kommentierenden Grundlagenwerkes.
Mit stetiger Bezugnahme auf den zeitgeschichtlichen Kontext werden publizistische, philosophische und literarische Texte sowie politische und private Dokumente aus der Zeit zwischen 1890 und 1930 gesichtet, um das thanatologische Denken der russischen Moderne zu synthetisieren, dabei aber auch dessen Besonderheiten und Widersprüche herauszustellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2017
Rezensent Ulrich M. Schmid empfiehlt Felix Philipp Ingolds Untersuchung über die Kultur von Tod und Sterben in Russland. Ausgezeichnet findet er Ingold Überblick über die russische "Sattelzeit" Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Gesellschaft auf den Kopf gestellt wurde. Mit Ingold beobachtet der Rezensent die Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod, Auferstehungshoffnungen bei Dostojewski, Mandelstam und Chodassewitsch sowie bei weniger bekannten Autoren und die künstlerische Behandlung der Vorstellung vom Weltenende bei Malewitsch und Gnedow. Für Schmid eine wegweisende Studie.
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