Der Nationalökonom Moritz Julius Bonn (1873-1965) war einer der herausragenden politischen Intellektuellen der Weimarer Republik. Seine Interventionen, Forschungen und politischen Tätigkeiten hatten weitreichende Auswirkungen: Als Wissenschaftspolitiker, politischer Berater von Reichsregierungen und Ministerien, aber auch als Experte für internationale Politik, Finanz- und Wirtschaftsfragen hatte er nicht nur detaillierten Einblick in die Problemkonstellationen der Weimarer Republik, sondern gehörte auch zu den entschiedenen Verteidigern der parlamentarischen Demokratie. Er analysierte ihre Legitimations- und Funktionskrise und versuchte sie im Hinblick auf ihre politische Kultur "demokratiewissenschaftlich" zu stärken.
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes kontextualisieren Bonns Werk in den Debatten seiner Zeit und leisten damit zugleich einen wichtigen Beitrag zur Ideengeschichte des Liberalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus wirft die Beschäftigung mit Bonn ein Licht auf die Krisenherde der Demokratie in der Zwischenkriegszeit, die gerade heute von höchster Aktualität sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2019
Rezensent Detmar Doering lernt in dem von Jens Hacke und Ewald Grothe herausgegebenen Aufsatzband mit Moritz Julius Bonn einen liberalen Ökonomen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennen, der laut Rezensent die Wiederentdeckung verdient hat. Bonns Wirken, das kein Grundlagenwerk widerspiegelt, wird in den Texten im Band von vielen Seiten beleuchtet, lobt Doering. So erkennt er mit Nicolas Bergs Beitrag die Grundzüge von Bonns Denken, mit dem Text von Patricia Clavin Bonns Internationalismus. Bonn erscheint dem Rezensenten schließlich als pragmatischer, prinzipientreuer politischer Denker.
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