Europäische Erinnerungsorte

Band 1: Mythen und Grundbegriffe des europäischen Selbstverständnisses
Cover: Europäische Erinnerungsorte
Oldenbourg Verlag, München 2012
ISBN 9783486704181
Gebunden, 332 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Pim den Boer, Heinz Duchhardt, Georg Kreis und Wolfgang Schmale. Die Diskussion über den Euro-Rettungsplan, die Finanzhilfen für Griechenland, Portugal und Irland, die Einführung schärferer Grenzkontrollen durch Dänemark haben einen neuen Streit über die Europäische Union entfacht. Driften die europäischen Staaten nach 60 Jahren der immer intensiveren und weiträumigeren Integration wieder auseinander? Geht uns der Sinn für die europäischen Gemeinsamkeiten verloren? Die "Europäischen Erinnerungsorte" leisten einen Beitrag zur Standortbestimmung. Autorinnen und Autoren aus mehr als 15 Ländern folgen der Annahme, dass es eine Vielzahl von Erinnerungsorten gibt, die für Europäer aller Länder eine Bedeutung haben, die ihre Identität mit formen und die wir mitdenken, wenn wir "Europa" sagen. Erstmals werden nicht die Erinnerungsorte einer einzelnen Nation, Region oder Epoche beschrieben, sondern Konzepte, Plätze, Ereignisse, Kunstwerke, Konsumgegenstände, die gesamteuropäisch von Bedeutung sind. Der erste Band des Werks behandelt, ausgehend vom Mythos Europa, grundlegende Faktoren des europäischen Selbstverständnisses, zum Beispiel Christentum, Judentum, Antike, Aufklärung, Gewaltenteilung. Menschenrechte, Himmelsrichtungen, Sprachenvielfalt, Friedensvisionen, Das Europa der Kriege, Europas Wirtschaftsbegriff.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2012

Als "fünf Pfund Kulturkitt" für Europa begrüßt Rezensent Rolf-Bernhard Essig diese drei Bände zu "Europäischen Erinnerungsorten", die ihm dabei als Projekt genauso erscheinen wie der ganze Kontinent: vielstimmig, inspirierend, verwirrend, ärgerlich, klug und disparat. Insofern kann Essig kaum ein einheitliches Urteil abgeben, denn wie er nachvollziehbar darlegt, unterscheiden sich die versammelten Aufsätze in Qualität und Tendenz ganz erheblich, Kolonialismus und Sklaverei etwa werden mal schuldbewusst, mal rechthaberisch, mal polemisch verhandelt, von einigen Essays darf sich ein interessiertes Publikum angesprochen fühlen, andere würden sogar das Fachpublikum schrecken. Und wenn Essig in einem Absatz Wiederholungen oder Fehlgewichtungen moniert, preist er im nächsten die sympathische Fähigkeit der Herausgeber zur Selbstkritik. Ein unfassbarer Kontinent, ein unfassbarer Wälzer, möchte man resümieren.

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