Esther Freud

Wildland

Roman
Cover: Wildland
Ullstein Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783898340267
Gebunden, 222 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Chris Hirte. Eigentlich wirkt der naturverbundene William Strachan sehr sympathisch - die neunjährige Tess betet den Liebhaber ihrer Mutter geradezu an. Doch schon bald zeigt das friedliche Leben auf Williams kleiner Farm dramatische Risse, steuert die scheinbar unbeschwerte und wilde Kindheit im ländlichen Suffolk der Katastrophe entgegen. Sehr einfühlsam erzählt Esther Freud von der Klugheit der Kinder in der verlogenen Welt der Erwachsenen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2001

Rezensentin Tanya Lieske findet besonders den Gestus dieses Romans bemerkenswert. In der Übertreibung verwerfe Autorin Esther Freud die Ideale der Nach-Hippie-Generation, denn weder die "libertinären noch die ökologischen oder esoterischen Ideen" hätten sich als tauglich erwiesen. Das wird, wie man der Handlungsskizze der Rezensentin entnehmen kann, im Roman am Beispiel einer Patchwork-Familie in wilder Landschaft und reparaturbedürftigem Haus durchexerziert. Dort leben Kinder aus verschiedenen Beziehungen der Erwachsenen, von denen manche auftauchen, andere wiederum als "unerwünschte Personen" den Kosmos des Hauses umkreisen. Besonders beeindruckt hat Lieske, dass dem Buch "trotz aller Ironie" der agitatorische Reflex fehle, den man sonst bei vielen 68er-Nachgeborenen finde. Kein Zorn, keine Sentimentalität, sondern bemerkenswert gut konturierte Figuren und eine schlichte und betont unprätentiöse Sprache. Einziger Schwachpunkt: ein ebenso dramatisches, wie entbehrliches Finale.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2001

Katharina Döbler rezensiert einen Roman von Esther Freud. Dieser sei, wie alles von Esther Freud, ein weiterer Abschnitt in der eigenen Autobiografie und hat die "Hölle der Väter" zum Thema. Allerdings mit dem umgekehrten Vorzeichen, dass der Vater der Romanfigur, der neunjährigen Tess, kein klassischer Patriarch sondern ein klassischer 68er sei. Erzählt wird eine Enttäuschung, so die Rezensentin, in der letztendlich die Unfähigkeit der Väter artikuliert wird. Den Vätern gelinge es nicht ihre Rolle anders auszufüllen als es ihre Feindbilder, die bürgerlichen Familienoberhäupter tun. Das einzige, was sich verändere, sei die Fassade. Die kindliche Erzählperspektive wird von Döbler ausdrücklich gelobt, das Beharren auf "Erklärungen" breche aber "die Kohärenz des Romans". In der Geschichte hört Döbler stets den "Urgroßvater Sigmund" mitklingen, in der Welt der Romanfigur wird dieser "Grundton" mit den nordischen Göttersagen geliefert, die in der Schule behandelt und bei "jeder Gelegenheit genüsslich referiert werden". Neben einer zugespitzten Dramaturgie bezeichnet Döbler die "Beschreibung ... der gleichbleibenden Hölle des Vaters unter den Umständen des ländlich-sittlichen Hippietums" als gelungen. Abschließend bemerkt die Rezensentin, dass es letztendlich egal ist, wie man das Väterthema bearbeitet. Freud tue es jedenfalls auf "literarisch interessant" Art und Weise.
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