Peter Zimmermann

Last Exit Odessa

Roman
Cover: Last Exit Odessa
Deuticke Verlag, Wien 2002
ISBN 9783216306241
Gebunden, 237 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Ein Mann sucht in Odessa im Auftrag eines Schweizer Nudelbarons nach einer gestohlenen Nudelfabrik. Jemand namens Minski soll ihm dabei helfen, aber Minski kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Stattdessen der Spanier Olsen, der seinerseits auf der Suche nach Minski ist. Ihm wiederum soll Minski verraten, wo er die Leiche Garcia Novarras findet, der in ein Komplott um den Tod von Marc Bolan verwickelt gewesen sein soll...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2003

In den siebziger Jahren hätte so ein kriminalistisch angehauchter Roman in Nordafrika, zum Beispiel in Tanger gespielt, vermutet Stefanie Peter. Heutzutage habe sich Europas Peripherie vom Süden nach Osten verlagert, und dort stünden nun die verlottertsten und exotischsten Kulissen zur Verfügung. In Odessa am Schwarzen Meer spielt Peter Zimmermanns zweiter Roman. Hierhin hat es einen an Gürtelrose erkrankten Journalisten und Gelegenheitsdetektiv verschlagen, wo er andere finstere Gestalten in finsteren Angelegenheiten trifft, die sich an dieser Stelle nicht allesamt erörtern lassen. Zwei Punkte in Peters Rezension scheinen erwähnenswert: die Protagonisten befinden sich meist in körperlichen Extremzuständen, stehen unter Drogeneinfluss, winden sich in Schmerzen, philosophieren über Verdauungsstörungen oder agieren im Geiste Sexualphantasien aus; zugleich ist der Roman mit einem Subtext popkultureller Versatzstücke unterlegt, einer indirekten Hommage an Marc Bolan, die dem Roman einer Hauch von Underground verleihen, meint Peter.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2002

Um es vorwegzunehmen: Die Rezensentin Christiane Zintzen ist froh, dass es überhaupt eine handfeste, dem Genre eigene Leiche in dem Kriminalroman des Autors Peter Zimmermann gibt, auch wenn diese Leiche - wie auch eine schweizerische Nudelfabrik - sofort wieder verschwindet. Denn ansonsten bestehe keine Hoffnung, einen Anfangspunkt des Kausalgefüges zu fixieren. Dabei wird der literaturbewanderte Leser auf eine Menge Bekanntes stoßen: die beiden Literaturfiguren Inspektor Tanais und der Spanier Olsen ziehen "einen zitierenden Strich durch die gesamte Geschichte der Ernsten wie auch der Unterhaltungsliteratur" zitiert die Rezensentin den Autor. Anspielungen auf Kierkegaard, Hofmannsthal und Laurence Sterne geben Literaturrätsel auf bis zum Überdruss, findet Zintzen. Auch wenn sich die Rezensentin durchaus beeindruckt zeigt von der literarischen Verfremdungstechnik und ihrer Travestie in diesem Roman und die "strenge erzählerische Komposition" bewundert, die genug Platz lässt für "vanilleduftende Männerphantasien" und eine zehnseitige Philosophie der Defäkation: Das Genervt-sein überwiegt bei weitem.