Erwin Koch

Der Flambeur

Roman
Cover: Der Flambeur
Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783312003518
Gebunden, 188 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Dies ist die Lebensgeschichte von Siegfried Kuhn. Am Ende einer Nachkriegskindheit am Bodensee beginnt er leidenschaftlich zu essen und zu kochen. Nach vielen Jahren des Tüftelns und Probierens entwickelt er ein verblüffendes Rezept. Bis heute wartet er auf seine Entdeckung. Der Reporter Erwin Koch, der für seinen Erstling "Sara tanzt" den Mara-Cassens-Preis erhielt, erzählt dieses außergewöhnliche Schicksal in einem Roman.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.06.2005

Der Autor Erwin Koch ist ein Schweizer Journalist und hat wie bereits in seinem "herausragenden" Erstling "Sarah tanzt" als Vorlage für diesen Roman eine seiner Reportagen benutzt, weiß die Rezensentin Silja Ukena zu berichten. Eine Salmonelle beendet das künstlerähnliche Berufsleben des Flambeurs Siegfried Kuhn und veranlasst ihn, mittels einer Erfindung ein neues ruhmreiches Leben anzustreben. Die Rezensentin vergleicht die heroische Haltung des 60jährigen und einsamen Mannes mit Don Quijote und nennt die Geschichte eine "Chronik des Scheiterns". Mit seinem Helden erhält auch der Autor Erwin Koch von der Rezensentin den Ritterschlag, als "literarischer" Autor. Die Sprache des Romans zeichne sich durch "Lakonie und hohe Musikalität" aus und gebe den Charakter des Flambeurs auf eine Weise wieder, die das Lesen "zum Genuss" werden lässt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2005

Enttäuscht zeigt sich Rezensentin Sibylle Birrer von diesem Roman Erwin Kochs über einen vom Schicksal gebeutelten Mann, Siegfried Kuhn, der eines Tages ein Mittel erfindet, mit dem sich ölverschmutztes Wasser in Trinkwasser verwandeln lässt - was aber niemanden interessiert. Diesen Erfinder gibt es nach Auskunft Birrers tatsächlich, Koch, seines Zeichens Journalist, habe ihm 2002 ein Erfinder-Porträt im Magazin des "Tages-Anzeigers" gewidmet. In Kochs Roman aber gewinnt Kuhn zum Bedauern der Rezensenten "keine glaubwürdige Plastizität". Zwar gesteht Birrer dem Autor bei der Ausgestaltung von Siegfried Kuhns Kindheit einige "atmosphärisch dichte, in sich dramaturgisch überzeugende Erzählmomente" zu. Insgesamt aber moniert sie einen Mangel an Stringenz und Deutlichkeit. "Zu heterogen" findet sie Kuhns "stets kulminierende Lebenssituationen". Jede Station sei zu sehr ihrer eigenen Dramatik verpflichtet, für das Finale bleibe keine Spannung übrig. Außerdem moniert sie, dass Koch sich allzu sehr aus der "literarischen Trickkiste" bedient, wobei ihr nicht klar wird, inwiefern der massive Einsatz von Motiven und unvermittelten Perspektivwechseln der Geschichte dienen. Zuletzt staunt die Rezensentin nur noch darüber, welch verquere Geschichten das wirkliche Leben schreiben kann. "Aber von der Literatur erwartet man eben doch ein bisschen mehr", resümiert Birrer, "und sei's auch nur die Verführung zum Mitgefühl mit einer Person, die man, still lesend, in ihrem Scheitern über 180 Seiten hinweg begleitet".
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