Ernst von Lasaulx

Neuer Versuch einer alten, auf die Wahrheit der Tatsachen gegründeten Philosophie der Geschichte

Cover: Neuer Versuch einer alten, auf die Wahrheit der Tatsachen gegründeten Philosophie der Geschichte
Karolinger Verlag, Wien - Leipzig 2003
ISBN 9783854181088
Gebunden, 141 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Günter Maschke. Ernst von Lasaulx, seiner Ausbildung wie seiner universitären Lehrtätigkeit nach Altphilologe, ist einer der bedeutendsten Geschichtsphilosophen des 19. Jahrhunderts. Der Historiker Rudolf Stadelmann konstatierte bei ihm eine geistige Höhe, "die ihm zwischen Hegel und Burckhardt einen eigenen Rang sichert und ihn als den großen romantischen Gegenpol von Ranke und Droysen erscheinen läßt." Sein Einfluss auf Jacob Burckhardts "Weltgeschichtliche Betrachtungen" ist außerordentlich. Lasaulx war auch einer der ersten Denker, die mit dem bis dahin herrschenden, geheimen oder bewussten Optimismus der Geschichtsphilosophie brachen, nach dem die Menschheitsgeschichte sich in einer ständig aufwärts strebenden Linie bewegt. Lasaulx ist weitgehend unbekannt geblieben. Das erklärt sich weniger aus seinem Geschichtspessimismus, als aus dessen nicht widerspruchsfreien Beziehung zu seinem katholischen Glauben, aus der Gleichsetzung einer den Tatsachen entnommenen Gesetzmäßigkeit mit der christlichen Vorsehung, aus dem Kontrast der These von einer zunehmenden Verhüllung Gottes und der Hoffnung auf dessen messianisches Eingreifen in die Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2003

Ernst von Lasaulx, erfahren wir von Lorenz Jäger, war der Späteste aller Spätromantiker, ein Konservativer, der in seiner Schrift von 1856 nicht nur Handel und Luxus als Zeichen des Niedergangs diagnostizierte, sondern dieser Erkenntnis auch ein Lob des Krieges anfügte. Beachtlich, findet Jäger: "Man liest das Buch eines eminent feinen, selbst schon intellektuell luxurierenden Kopfes", dem Plotin, Pascal und Swedenborg ebenso gegenwärtig gewesen seien wie Hamann, Lichtenberg und Schopenhauer. Daneben lobt der Rezensent des Autors "ausgeprägtes Empfinden für historische Untergänge und Epochenschwellen", das ihn mit Jacob Burckhardt verbinde, der zudem, wie Lorenz darstellt, in seinen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" häufig auf Lasaulx verwiesen hat. Neben einer Kulturgeschichte, die ihren Ausgang unter anderem bei der Gestalt der Kontinente nimmt - wonach Europa von Natur aus zur Entdeckung der Welt bestimmt ist, weil es im Vergleich zu seiner Fläche von allen Kontinenten die ausgedehnteste Küste besitzt - geht es dem Autor in dieser Schrift, wie Jäger schreibt, vor allem um die "Einheit des Menschengeschlechts". Die Messiasidee etwa, so schreibe Lasaulx, sei "ein Erbteil aller edlen Völker", und der Tod des Sokrates präfiguriere die Leidensgeschichte Christi. Mit der Idee der Einheit liege beim Autor allerdings, wie bereits die Beschränkung auf "edle Völker" und die Sonderrolle Europas signalisiere, noch eine "andere Ideenwelt im Konflikt", berichtet Jäger - nämlich die optimistische Ansicht, die Weltgeschichte vollziehe sich im Kreislauf ewiger Harmonie.
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