Mit Illustrationen von Ute Bartels. Treue Stadt-Amseln, Meisen mit Vaterkomplex und polygame Wachteln - das Liebesleben der Vögel ist variantenreich und immer wieder überraschend. Der Euronatur-Preisträger und Vogelexperte Ernst Paul Dörfler eröffnet die Beziehungswelt von über fünfzig heimischen Vogelarten und gibt Einblicke, die man sonst nirgends findet. So leben Vögel weit weniger monogam, als häufig angenommen, und der Klimawandel verstärkt diese Tendenz sogar noch: Extreme Schlechtwetterlagen beflügeln den Partnerwechsel unter Vögeln. Der Autor erzählt von den Bindungsmustern und Fortpflanzungstaktiken unserer gefiederten Nachbarn. Dieses Buch verändert den Blick auf das, was in Garten und Busch passiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2024
Rezensent Christian Schwägerl kann Paul Dörflers Monographie viel abgewinnen. Der ehemals in der Umweltbewegung der DDR aktive Autor stellt darin, so Schwägerl, in unterhaltsamer Weise das Beziehungsverhalten verschiedener Vogelarten vor - vom monogamen Höckerschwan bis über den in offenen Beziehungen lebenden Seggenrohrsänger bis zur Heckenbraunelle, bei er je nach Nahrungsvorkommen ein Männchen gleich mehrere Nester versorgt oder ein "Zweitvater" zur Ernährung der Küken engagiert wird. Dabei spielt Dörfler dem Rezensenten zufolge mit Idealisierungen der vermeintlich romantisch-monogamen Vogelwelt, die Menschen gern auf diese projizieren - denn die meisten Vögel, fasst Schwägerl Dörflers Studie zusammen, leben zwar paarweise zusammen, sind aber sexuell durchaus promisk. Der Vorwurf, der Autor vermenschliche das Verhalten der Vögel, lässt sich dabei laut dem Rezensenten kaum zurückweisen. Dennoch kann er Dörflers kurzweiliges Buch sowohl Laien auf ornithologischem Gebiet wie auch einem Fachpublikum, dem der Sinn nach amüsanten Anekdoten über die Vogelwelt steht, ans Herz legen.
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