Ernst Nolte

Die dritte radikale Widerstandsbewegung: der Islamismus

Cover: Die dritte radikale Widerstandsbewegung: der Islamismus
Landtverlag, 2009
ISBN 9783938844168
Gebunden, 414 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Seit seinen geschichtswissenschaftlichen Anfängen in den frühen sechziger Jahren hat sich Ernst Nolte stets für das Verwirrende der Geschichte und für die jeweils "andere Seite" der großen ideologischpolitischen Bewegungen interessiert. So auch in diesem Werk, in dem er - auf eine zunächst sehr überraschende Weise - den Islamismus, der im Westen fast durchweg als "Widerstandsbewegung gegen die Moderne" gekennzeichnet wird, neben den Nationalsozialismus Hitlers und neben den Bolschewismus Lenins stellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.05.2009

David Motadel versteht das neue Buch von Eernst Nolte zum Islamismus vor allem als Versuch, einen "Skandal" zu provozieren und deshalb plädiert er eindringlich dafür, dem Historiker, der einst den "Historikerstreit" von Zaun gebrochen hat, keine Plattform dafür zu bieten. Zunächst, das muss der Rezensent zugeben, liest sich Noltes These vom Islamismus als rückwärtsgewandte Bewegung gegen die Moderne durchaus "griffig". Allerdings würde der Autor die verschiedensten islamischen Strömungen über einen Kamm scheren und zudem nur sehr ausgewählte islamische Gruppen betrachten, kritisiert Motadel. Dazu kommt, dass Nolte seiner Ansicht nach den westlichen Einfluss auf islamistische Bewegungen viel zu hoch einschätzt und es sich mit seiner Deutung des Islamismus als widerständige Reaktion auf die westliche Moderne zu einfach macht, wie der Rezensent darlegt. Der Autor breitet zudem über weite Strecken des Buches seine alten Thesen vom Nationalsozialismus als Reaktion auf den Bolschewismus aus und versteigt sich zu geradezu antisemitischen Vergleichen zwischen der Politik Israels mit dem Hitlerregime, um schließlich gar einen Zusammenhang zwischen dem israelischen Geheimdienst Mossad und dem Terroranschlag des 11. September aufzumachen, wie Motadel kopfschüttelnd feststellt. "Entgleisungen", die nach bewährter Nolte-Art "Aufmerksamkeit" erregen sollen, die der Rezensent aber anscheinend - außer von ihm selbst - am liebsten ignoriert sehen würde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2009

Es ist nicht eigentlich eine Kritik von Noltes Buch, die Patrick Bahners in der FAZ vorlegt. Aber was genau es ist, lässt sich auch nicht sagen - immerhin ist es wichtig genug, um den Aufmacherplatz des Feuilletons zu belegen. Bahners setzt sich so gut wie gar nicht mit Noltes Ausführungen zum Islamismus auseinander, die doch laut Buchtitel den Hauptinhalt des Buchs bilden, sondern betrachtet ausschließlich Noltes Verhältnis zu Israel, das sich laut Bahners von einer "philosemitischen" Einstellung, die er noch 1974 an den Tag gelegt habe, zu einem Verständnis für einen "gerechtfertigten 'Antisemitismus'" der Palästinenser (so Nolte) gewandelt habe. Ob Bahners Nolte selbst Antisemitismus vorhalten will, wird aus seiner inkonsistent wirkenden Prosa nicht deutlich. Interessant ist eher seine Feststellung, dass Noltes Buch in einer Zeit erscheine, da selbst im Westen nur noch Deutschland und die USA eine "philosemitische" Einstellung zu Israel hätten. Weiter sagt Bahners, das Buch enthalte Gedanken, "die auf Resonanz treffen könnten", um noch im selben Atemzug zu verkünden, dass "mit einer politischen Rezeption der Gedanken nicht zu rechnen" sei. Kurz: Das ist alles recht klebrig.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.04.2009

Als "verstörendes Werk voller geschichtsphilosophischer Spekulationen" beschreibt Rezensent Jörg Lau dieses Buch des Historikers Ernst Nolte, dass seiner Einschätzung zufolge wohl ein klarer Fall für den Giftschrank ist. Denn es versuche, so Lau, den Historikerstreit nun anhand des Islamismus noch einmal zu führen. Und zwar, indem der Islamismus als dritte "konservative Revolution" gegen die Moderne und den "kolonialistisch-imperialistischen" Westen beschrieben werde. Deshalb findet der Rezensent es auch nicht wirklich lohnend, sachliche Einwände gegen Noltes teilweise "hanebüchene Äußerungen" geltend zu machen: dessen Verteidigung des "Nazi-Mufti" von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, beispielsweise, der 1942 in Berlin zum "Dschihad gegen die Juden" aufrief ("Tötet sie alle!"), und mit dem der Vernichtungsgedanke als nationalsozialistischer Ideologieimport Eingang in den Islamismus gefunden habe, der ursprünglich aus der arabischen Selbstkritik entstanden sei, und nicht, wie Nolte behaupte, als Reaktion auf die Gründung des Staates Israel. Auch sieht Lau in Noltes Buch jede Menge "verquere Entlastungslogik" in Sachen Nationalsozialismus am Werk, da Nolte der "Traumlogik" folge, dass alle Akteure zugleich Täter und Opfer seien. In diesem Kontext empfindet der Rezensent auch, dass Noltes Sich-abarbeiten am Skandalon der Singularität der deutschen Verbrechen "etwas Triebhaftes" hat.
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