Der Band präsentiert Ernst Kris' kunsthistorische Dissertation "Der Stil rustique. Die Verwendung des Naturabgusses bei Wenzel Jamnitzer und Bernard Palissy" sowie seinen Beitrag zur Festschrift für seinen Lehrer Julius Schlosser "Georg Hoefnagel und der wissenschaftliche Naturalismus". Die Untersuchung über den Stil "rustique" wendet sich einem Phänomen in der Kunst der Renaissance zu, das spätestens seit Vasaris idealistischer Konzeption künstlerischer Produktivität als Veredelung bloßer Natur an den Rand der Wahrnehmunggedrängt wurde. Kris erblickt im "Streben nach objektiver Richtigkeit der Naturwiedergabe" die Vorgeschichte der naturwissenschaftlichen Illustration und in der Opposition gegen eine klassizistische Antike "die Eroberung der Natur durch die Erkenntnis ihrer Gesetzmäßigkeit". Und der Naturalismus des Miniaturenmalers und Kupferstechers Georg Hoefnagel habe die Grenze von der künstlerischen Naturstudie zur wissenschaftlichen Darstellung bereits überschritten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2012
Die zwei im Band enthaltenen frühen Texte des Wiener Kunsthistorikers Ernst Kris, der eine zum Antwerpener Maler Georg Hoefnagel, der andere zum Naturabguss in der Kunst des 16. Jahrhunderts, zeigen Peter Geimer den Autor als Pionier der Auslotung des Kunstbegriffs und als Theoretiker von bleibender Aktualität, wie ihm der Vergleich mit neueren Arbeiten etwa von Horst Bredekamp oder Andrea Klier beweist. Dass der Autor seiner Zeit voraus war, indem er neben dem Foschungsgegenstand zudem die eigene Methode mit reflektierte, ist für Geimer Anlass, diesen Kunstgeschichtler zur Lektüre zu empfehlen.
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